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Schnellerfassung

299.1.006 / V15

5 Fokusbereiche

5.1 Hauswasserzentrale

Ab dem Wasserzähler bzw. der ersten Absperrarmatur geht die Verantwortung für die Trinkwasserqualität vom Versorger auf den Bauherrn über. Ab hier gilt es, durch ordnungsgemässe Installationen den Weitertransport ohne Qualitätseinbussen sicherzustellen.

Beim Hausanschluss und in der Hauswasserzentrale spielen daher die verwendeten Materialien und die ersten Arbeitsschritte eine entscheidende Rolle, da hier der Grundstein für die Trinkwasserhygiene im Haus gelegt wird. Auch die Temperaturhaltung muss im Blick behalten werden, um eine Keimvermehrung von Anfang an zu vermeiden. Und wie an jeder anderen Stelle gilt es, die Risiken durch stagnierendes Wasser zu berücksichtigen.

5.1.1 Hauswasserzentrale | Material

Nussbaum empfiehlt folgende Materialien für die Hauswasserzentrale. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Material.

  • Edelstahl und Rotguss verwenden, um den Nährstoffeintrag gering zu halten (Optipress-Aquaplus, Optiarmatur).

  • Einen rückspülbaren Filter mit Rückspülautomatik verwenden, um keine Fremdpartikel in die Installation zu schwemmen (z. B. 12110, 18110 oder 18053 mit 12108). Für einen hygienischen Betrieb den Filter vor UV-Licht schützen.

  • Die Wartung des Filters gemäss W3/E2 durchführen.

  • Bei einer Wasserhärte ≥ 32 °fH einen Wasserenthärter (19051/19053) einsetzen (vgl. SVGW-Merkblatt W10027, Juni 2015).

  • Zur Optimierung der Verbindungsstellen und der Dimensionierung einen von Nussbaum massgefertigten Edelstahlverteiler verwenden (www.nussbaum.ch/dienstleistungen)

  • Sicherheitseinrichtungen zum Schutz des Trinkwassers einbauen (👉 Schutz von Trinkwasser).

  • Probenahmeventile einbauen (👉 Probenahmeventile).

  • Sicherstellen, dass Absperrventile, Regelventile und Probenahmeventile zugänglich bleiben.

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5.1.2 Hauswasserzentrale | Temperatur

Zur Temperaturerhaltung in der Hauswasserzentrale sollten die folgenden Massnahmen ergriffen werden. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Temperatur.

Damit das Kaltwasser kalt bleibt:

  • Die Leitungen vor Wärmeeinwirkung schützen.

  • Wasserzähler, Verteilbatterien, Apparate wie Druckminderer, Filter, Enthärtungsanlagen, Umkehrosmoseanlagen, Druckerhöhungsanlagen usw. in kühlen (nicht frostgefährdeten) Räumen aufstellen, sodass das Trinkwasser kalt nicht erwärmt wird. Wärmeabstrahlende Geräte wie Heizungen sollten nicht im selben Raum platziert werden.

Damit das Warmwasser die Temperaturen gemäss SIA 385/1:2020, 3.2.3 und 3.2.4 erreicht:

  • Einen aussenliegenden Wärmetauscher verwenden, da dieser den Vorteil einer besseren Wärmeübertragung bietet und zu kleineren Mischzonen im Warmwasserspeicher führt.

  • Mithilfe von Wärmesiphons die Auskühlung in den Leitungen verhindern.

    • Bei nicht warmgehaltenen Leitungen:
      Wärmesiphons direkt beim Wassererwärmer installieren.

    • Bei warmgehaltenen Leitungen (Zirkulationsleitung oder Verbindungsleitung ≤ 1 m):
      Wärmesiphons vor den Ausstossleitungen installieren
      (👉 Steigzone | Temperatur, 👉 Etage | Temperatur).

 img
Position des Wärmesiphons
Links: Wärmesiphon nach Wassererwärmer bei nicht warmgehaltener Leitung.
Mitte: Wärmesiphons vor Ausstossleitungen bei warmgehaltener Leitung (Verbindungsleitung ≤ 1 m).
Rechts: Warmgehaltene Leitung (Zirkulationsleitung) im Mehrfamilienhaus: Die Wärmesiphons befinden sich erst oben auf der Etage (in Anlehnung an W3/E3:2020, Anh. 9, Abb. 23, 24 und 25).

5.1.3 Hauswasserzentrale | Stagnation

Auch in der Hauswasserzentrale können unter Umständen Stagnationsrisiken auftreten. Berücksichtigen Sie daher die nachfolgenden Empfehlungen und Vorgaben. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Stagnation.

  • Einen Anschlussflansch (12085) mit Flanschabdeckung (12091) und Gartenventil (z. B. 41130) für das Bauprovisorium verwenden. So bleibt die Verteilbatterie trocken, während die Hauszuleitung schon in der Bauphase durch die Bauwasser-Entnahme gespült wird.

  •  img
    Bauprovisorium nach Empfehlung von Nussbaum
  • Absperrarmaturen mit optimaler Ventil-Technologie (Freifluss) verwenden.

  • Umgehungen in der Hauptverteilung, z. B. bei Patronenfiltern vermeiden. Hiervon ausgenommen sind Anlagen zur Trinkwassernachbehandlung.

  • Wenn Umgehungen oder nicht durchflossene Leitungen nicht vermieden werden können, z. B. bei einem Wasserzähler mit Umgehung, folgende Punkte beachten:

    • Die nicht durchflossenen Leitungsteile auf eine Länge von maximal 4 x Innendurchmesser des Rohrs (ID) begrenzen.

    • Keine Filterumgehungen > 4 x ID einbauen.

    • Auf Reserveanschlüsse verzichten, um tote Leitungsabschnitte zu verhindern.

    • Nicht mehr benutzte Leitungsteile ordnungsgemäss von der Installation trennen.

 img
Stagnation in Leitungen
Links: Nicht durchflossenes Leitungsstück (bei kleiner Länge findet noch ein gewisser Volumenaustausch statt).
Rechts: Wasserzähler mit Umgehungsleitung (in Anlehnung an W3/E3:2020, Anh. 4, Abb. 2 und 4).
  • Anlagen zur Trinkwassernachbehandlung (z. B. Wasserenthärter) richtig bemessen, um Stagnation zu verhindern.

  • Den Wassererwärmer so dimensionieren, dass maximal ein Tagesverbrauch abgedeckt wird.

  • Mehrere Wassererwärmer nicht im Tichelmannsystem anschliessen, da eine konstante Durchströmung aller Wassererwärmer nicht gewährleistet werden kann. Stattdessen Wassererwärmer seriell anschliessen.

  • Wenig benutzte Leitungen (z. B. Gartenventile) über eine häufig benutzte Entnahmearmatur schlaufen.

    Anmerkung 1: Garten- und Balkonventile dürfen auch am reduzierten Druck angeschlossen werden, um die Leitungslänge zu minimieren.

    Anmerkung 2: Für die frostsicheren Garten- und Balkonventile wird eine Sicherungseinrichtung vom Typ HD verwendet (Rohrbelüfter für Schlauchanschlüsse, kombiniert mit Rückflussverhinderer).

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Wenig benutzte Leitung (hier Gartenventil) über eine häufig benutzte Entnahmearmatur (hier Waschmaschine) schlaufen

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5.2 Steigzone

Die ersten Meter im Gebäude sind zurückgelegt. Nun muss das Kalt- und Warmwasser im Gebäude verteilt werden.

Bei der Umsetzung der Steigzonen sind die drei Einflussfaktoren der Trinkwasserhygiene gleichermassen von Bedeutung. Erstens kann auch in der Steigzone durch die Wahl der richtigen Materialien der Nährstoffeintrag stark reduziert werden. Zweitens gilt es, sowohl Kaltwasser als auch Warmwasser während der Verteilung auf Temperatur zu halten. Drittens muss den Risiken der Stagnation so weit wie möglich vorgebeugt werden.

5.2.1 Steigzone | Material

Für die Steigzone gibt Nussbaum eine klare Materialempfehlung. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Material.

  • Edelstahl und Rotguss verwenden, um den Nährstoffeintrag gering zu halten (Nussbaum Optiarmatur und Optipress-Aquaplus)

  • Wenn möglich, auf Zirkulationsleitungen aus Kunststoff im Rohr-an-Rohr-System verzichten. Stattdessen die Zirkulationsleitung separat mit Optipress-Aquaplus (Edelstahl) führen.

    Anmerkung: Selbst der beste Kunststoff hat einen höheren Nährstoffeintrag als ein metallischer Werkstoff. Hinzu kommt, dass vor allem bei Zirkulationsleitungen das Verhältnis Oberfläche/Volumen sehr ungünstig ist, weil sie permanent durchflossen werden, d. h. die Migration aus organischen Werkstoffen wird permanent unterstützt. Edelstahl hingegen ist vollkommen anorganisch und somit ein optimales Kontaktmaterial.

5.2.2 Steigzone | Temperatur

In der Steigzone gilt es, das Warmwasser warm (> 55 °C) und das Kaltwasser kalt (< 25 °C) zu halten. Dazu gibt es einige spezielle Vorgaben und Empfehlungen. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Temperatur.

Leitungsführung und Dämmung:

  • Wenn die Leitungen für warmes und kaltes Trinkwasser horizontal übereinander angeordnet werden, die Leitung für Warmwasser über der Kaltwasserleitung anordnen (W3:2013, 4.1; W3/E3:2020, 6.10.2).

  • Wenn Leitungen zwingend im Boden verlegt werden müssen, die Leitungen in Bodenschlitzen oberhalb der Armierung anordnen. Kaltwasser und Warmwasser in separaten Bodenschlitzen mit mindestens 0.1 m Abstand verlegen (W3/E3:2020, 6.9).

 img
Schnitt Bodenkonstruktion (in Anlehnung an W3/E3:2020, Anh. 7, Abb. 20)

1

In Bodenschlitz horizontal verlegte Kaltwasserleitung

6

Fussbodendämmung

2

In Bodenschlitz horizontal verlegte Warmwasser- und Zirkulationsleitung

7

Unterlagsboden

3

Oberarmierung

8

Fussbodenheizung

4

Unterarmierung

9

Betonboden

5

Trittschalldämmung

10

Bodeneinlagen von kalten und warmen Ausstossleitungen (idealerweise getrennt verlegen)

Den Warmwasserverteiler möglichst nah an der Steigzone planen. Wenn der letzte Abgang vom Verteiler ≤ 1 m von der warmgehaltenen Steigleitung entfernt ist und alle Komponenten durchgehend gedämmt sind, muss dieser Leitungsabschnitt nicht in die Berechnung der Ausstosszeit eingerechnet werden (SIA 385/2:2015, 4.1.4). Bei weiteren Distanzen empfiehlt Nussbaum, die warmgehaltene Warmwasserleitung bis vor die Unterputz-Armaturenbox zu schlaufen.

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Warmwasserleitung geschlauft bis vor die Unterputz-Armaturenbox
  • Warm- und Kaltwasser im Steigschacht thermisch trennen:

    • Variante 1: Im Wohnungsneubau sind Kaltwasser-Steigleitungen mit einer Dämmstärke min. PIR 50 mm eine gleichwertige Alternative zu thermisch getrennten Schächten. Bei der Dämmung ist auf eine geringe Wärmeleitfähigkeit zu achten (PIR vor Zellkautschuk). Bei mehreren Medientemperaturen > 40 °C sind thermisch getrennte Installationsschächte vorzuziehen. (Variante 2 oder 3)

    • Variante 2: Separate Schächte für Kaltwasser und Warmwasser.

    • Variante 3: Bei einem gemeinsamen Schacht eine Trenndämmung mit einem grösseren Dämmwert als die Dämmung gegen den Raum verwenden. So wird die Wärme der Warmwasserleitung in den angrenzenden Raum abgeführt und geht nicht auf die Kaltwasserleitung über.

    Anmerkung: Eine der Varianten muss zwingend umgesetzt werden, unabhängig davon, wie die Warmwasserleitungen warmgehalten werden. Die Kalt- und Warmwasser-Steigleitungen sind immer und in jedem Fall regelkonform und lückenlos zu dämmen.

 img
Varianten für thermische Trennung. Links:  Gedämmte Kaltwasser-Steigleitung, Mitte: Separate Schächte für Kaltwasser und Warmwasser. Rechts: Schacht mit Trenndämmung (in Anlehnung an W3/E3:2020, Anh. 6, Abb. 18 und 19)

d

Dämmstärke

3

Thermische Trennung

D

Montageabstand Kalt- und Warmwasserleitung

Bei Dämmstärke PIR 50 mm kein Mindestabstand erforderlich

Φ

Wärmestrom durch die Schachttrennwand

1

Kalter Schacht bzw. Schachtteil (Mediumstemperatur ≤ 25 °C)

Φ

Wärmestrom durch die Schachtvorwand

2

Warmer Schacht bzw. Schachtteil

Weitere Informationen sind im Nussbaum Dokument «Anwendungen und Lösungen Warmwasser » zu finden, Verzögerung der Kaltwassererwärmung in Steigzonen.

Wärmesiphons:

  • Bei warmgehaltenen Leitungen:

    • Wenn der Verteiler (wie empfohlen) warmgehalten ist, d. h. wenn er ≤ 1 m von der warmgehaltenen Steigleitung entfernt ist und alle Komponenten bis einschliesslich des Verteilers gedämmt sind: Wärmesiphons erst vor den Ausstossleitungen installieren.

    • Wenn der Verteiler (anders als empfohlen) nicht warmgehalten ist: Wärmesiphon bereits vor dem Verteiler installieren (W3/E3:2020, 6.16).

  •  img
    Position des Wärmesiphons. Links: Wärmesiphon vor den Ausstossleitungen bei warmgehaltem Verteiler. Rechts: Wärmesiphon vor dem Verteiler bei nicht warmgehaltenem Verteiler.
  • Bei nicht warmgehaltenen Leitungen: Wärmesiphons direkt beim Wassererwärmer installieren, 👉 Hauswasserzentrale | Temperatur.

Zirkulationssystem:

  • Um die Auskühlung der Warmwasserleitungen zu verhindern, ein Zirkulationssystem vorsehen.

  • Das Zirkulationssystem richtig planen und auslegen.

  • Die obigen Regeln zu Leitungsführung und Dämmung beachten.

  • Ein thermisches Zirkulationsventil für optimale Temperaturregelung einbauen.

  • Alternativ: Ein elektronisches Zirkulationsventil einbauen, um Temperaturüberwachung, Temperaturregelung und Ansteuerung von anderen Komponenten zu ermöglichen.

  • Die Zirkulationspumpe richtig auswählen und betreiben: Drehzahlregulierte Pumpe für anpassbare Fliessgeschwindigkeiten, Einsatz im Dauerbetrieb und mit konstantem Druck.

5.2.3 Steigzone | Stagnation

Die nachfolgenden Empfehlungen helfen, Stagnationsrisiken in der Steigzone bestmöglich zu reduzieren. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Stagnation.

  • Absperrarmaturen mit optimaler Ventil-Technologie (Freifluss) verwenden.

  • Die Rohre und Leitungen optimal dimensionieren. Wenn Reserven vorgesehen sind, dann sollten sie in der Steigzone und nicht in den letzten Metern eingeplant werden.

    Tipp: Die verschiedenen Hilfsmittel zur Dimensionierung auf den Nussbaum Webseiten verwenden:
    www.nussbaum.ch/planungstools

  • Steigleitung nah an den Apparategruppen planen, sodass die Ausstossleitungen kurz gehalten werden können (👉 Etage | Stagnation). Idealerweise sollte kein Apparat mehr als 6 m von der Steigzone und dem direkt angrenzenden Verteiler entfernt sein (👉 6-Meter-Radius). Küchen und Nasszellen zentral anordnen, um unnötige Steigzonen im Objekt zu vermeiden.

  • Die Zirkulationsinstallation mit einer dauernd betriebenen Zirkulationspumpe betreiben. Dies ist bei Rohr-an-Rohr-Systemen mit einer Zirkulationsleitung aus Kunststoff zwingend nötig.

5.3 Etage im Wohnungsbau

Im letzten Schritt wird das Wasser zu den Apparaten geführt. Hier liegt anders als in den vorhergehenden Systemabschnitten der Fokus nicht auf dem Material, da in aller Regel flexible Kunststoffrohre verwendet werden. Der Temperaturhaltung kommt eine gewisse Bedeutung zu, da die thermische Trennung auch auf den letzten Metern vor der Entnahme sichergestellt werden muss. Ganz entscheidend für die letzten Meter vor der Entnahme ist jedoch die Vermeidung von Stagnationsrisiken: Durch optimale Leitungsverlegung und -dimensionierung kann das Leitungsvolumen und somit das stagnierende Wasser minimiert werden.

5.3.1 Etage | Material

Die Materialverwendung in der Etage unterscheidet sich von den vorhergehenden Systemabschnitten. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Material.

  • Für die Ausstossleitungen Kunststoffrohre im Einzelzapfstellen-System (z. B. Nussbaum Optiflex mit Optiflex-Profix oder Optiflex-Flowpress) verwenden. Während in der Hauswasserzentrale und der Steigzone nur metallische Werkstoffe eingesetzt werden sollten, ist der Einsatz von Kunststoff auf der Etage vertretbar, da das Leitungsvolumen bei richtiger Leitungsführung und -auslegung gering ist und in max. 5 s verworfen wird (👉 Einzelzapfstellen-System, 👉 5-Sekunden-Regel).

  • Die Leitungen durchflussoptimiert dimensionieren.

5.3.2 Etage | Temperatur

Für die Temperaturhaltung auf der Etage empfiehlt Nussbaum die folgenden Massnahmen. Beachten Sie auch die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Temperatur.

Armaturen:

  • Eine Unterputz-Armaturenbox verwenden, um die thermische Trennung von Kalt- und Warmwasser zu gewährleisten.

  • Eine Unterputz-Verteilerbox verwenden. Diese bietet optimierte Verbindungsmöglichkeiten und erfüllt die Forderung der W3:E3, 6.10.2, nach der auch am Verteiler die thermische Trennung sicherzustellen ist.

  • Wenn möglich, anstelle eines blanken Anschlusswinkels eine Dose installieren, um die Wärmeübertragung über die Auslaufarmatur zu verhindern (z. B. Optiflex-Dose 84206 oder 85106).

Ausstossleitungen:

  • Die Ausstossleitungen im Einzelzapfstellen-System getrennt zu den Apparaten führen (👉 Einzelzapfstellen-System).

    • Anders als bei einer geschlauften Installation oder einer T-Stück-Installation kann so die Erwärmung der Kaltwasserleitung über den Mischer vermieden werden (👉 Thermische Beeinflussung an der Entnahmearmatur).

    • Zusätzlich ist es so möglich, das Leitungsvolumen zu minimieren und die maximalen Ausstosszeiten für das Warmwasser nach SIA 385/2:2015, 3.2 und 3.3 einzuhalten – vorausgesetzt die Strecke von der Steigzone bis zum Ende des Verteilers ist warmgehalten, d. h. gedämmt und ≤ 1 m lang (👉 Steigzone | Temperatur).

  • Die Warmwasser-Ausstossleitungen nicht dämmen (SIA 385/1:2020, 5.4.1, W3/E3:2020, 6.15). So können sie schnell abkühlen und befinden sich nur kurz im kritischen Temperaturbereich.

  • Die Kaltwasser-Ausstossleitungen nicht dämmen (W3/E3:2020, 6.15).

  • Die Ausstossleitungen im Boden einlegen oder alternativ ein Vorwandinstallationssystem einsetzen. Mit Bodeneinlagen lässt sich häufig der kürzeste Weg vom Verteiler zu den Apparaten umsetzen. Ein Vorwandinstallationssystem ermöglicht eine flexible Apparatedisposition und einen beschleunigten Bauablauf durch optimale Vorbereitung.

  • Bei im Boden eingelegten Leitungen den Mindestabstand von 10 cm zwischen den Kaltwasserleitungen und den Warmwasserleitungen einhalten.

 img
Schnitt Bodenkonstruktion (in Anlehnung an W3/E3:2020, Anh. 7, Abb. 20)

1

In Bodenschlitz horizontal verlegte Kaltwasserleitung

6

Fussbodendämmung

2

In Bodenschlitz horizontal verlegte Warmwasser- und Zirkulationsleitung

7

Unterlagsboden

3

Oberarmierung

8

Fussbodenheizung

4

Unterarmierung

9

Betonboden

5

Trittschalldämmung

10

Bodeneinlagen von kalten und warmen Ausstossleitungen (idealerweise getrennt verlegen)

Wärmsiphons:

  • Bei warmgehaltenen Leitungen:

    • Wenn der Verteiler (wie empfohlen) warmgehalten ist, d. h. wenn er ≤ 1 m von der warmgehaltenen Steigleitung entfernt ist und alle Komponenten bis einschliesslich des Verteilers gedämmt sind: Wärmesiphons mit den Ausstossleitungen installieren. Hierzu einfach die Ausstossleitungen ab dem Verteiler mit einem ausreichend grossen Bogen nach unten installieren.

    • Wenn der Verteiler (anders als empfohlen) nicht warmgehalten ist: Wärmesiphon bereits vor dem Verteiler installieren (W3/E3:2020, 6.16), 👉 Steigzone | Temperatur.

  • Bei nicht warmgehaltenen Leitungen: Wärmesiphons direkt beim Wassererwärmer im Keller installieren, 👉 Hauswasserzentrale | Temperatur.

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5.3.3 Etage | Stagnation

Der Stagnation kommt auf der Etage eine besondere Bedeutung zu. Deshalb gibt es hierfür eine ganze Reihe spezifischer Empfehlungen von Nussbaum und Vorgaben aus Richtlinien. Beachten Sie zusätzlich die allgemeinen Grundsätze im Kapitel 👉 Richtlinie Stagnation.

Leitungsvolumen:

  • Gemäss Empfehlung von Nussbaum kurze Ausstossleitungen im Einzelzapfstellen-System verlegen (👉 Einzelzapfstellen-System, 👉 9-Meter-Regel). Durch das geringe Volumen der einzelnen Ausstossleitungen wird das stagnierende Wasser innerhalb von maximal 5 s verworfen.

Wenig gebrauchte Apparate:

  • Apparate im Idealfall so planen, dass sie täglich verwendet werden. Anderenfalls prüfen, ob sie wirklich notwendig sind.

  • Wenig benutzte Spezialapparate (Steamer, Foodcenter, in der Wohnung aufgestellte Waschmaschinen oder frostsichere Garten- und Balkonventile) über einen zusätzlichen Apparat schlaufen, um für eine gute Durchströmung der Leitung zu sorgen.

  • Eventuell auch die Kaltwasserleitung von der Dusche auf das WC schlaufen. So wird das Volumen der Apparatenanschlussleitung zur Dusche noch häufiger erneuert.

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Balkonventil über täglich gebrauchten Apparat schlaufen (in Anlehnung an W3/E3:2020, Anh. 5, Abb. 15)

Betrieb und Wartung:

  • Durch richtiges Verhalten im Betrieb für einen regelmässigen Ausstoss des stagnierenden Wassers sorgen.

    Anmerkung: Bei optimaler Systemauslegung kann in der Regel auf automatische Spülsysteme verzichtet werden (👉 Spülsysteme).

  • Duschköpfe und Strahlregler regelmässig entkalken sowie Duschschläuche periodisch austauschen.

  • Bei Abwesenheit die Massnahmen gemäss W3/E3:2020, 12.3 durchführen (👉 Massnahmen bei kurzen und längeren Stagnationszeiten nach W3/E3:2020, 12.3, Tab. 2). Beim Vorlaufen lassen von stagnierendem Kalt- oder Warmwasser die Aerosolbildung vermeiden.

    Anmerkung: Die Massnahmen setzen ein mikrobiologisch stabiles Trinkwasserverteilsystem voraus, das bereits über mehrere Monate bestimmungsgemäss betrieben wurde.

Dauer der Abwesenheit

Massnahmen zu Beginn der Abwesenheit

Massnahmen bei Ende der Abwesenheit

4 Stunden bis 3 Tage

Keine

Trinkwasser 5 s vorlaufen lassen

Bis 7 Tage

Keine

Trinkwasser vorlaufen lassen, bis Temperaturkonstanz erreicht ist

Bis 4 Wochen

  • Die Stockwerk- oder Apparategruppenabsperrung schliessen.

oder

  • Alle Absperrventile bei der Verteilbatterie schliessen.

oder

  • Periodische Trinkwassererneuerung sicherstellen.

  • Kaltwasser: Bei allen Entnahmearmaturen in voll geöffneter Stellung kalt Trinkwasser mindestens bis Temperaturkonstanz fliessen lassen. Idealerweise mehrere Armaturen gleichzeitig öffnen.

  • Warmwasser: Bei allen Entnahmearmaturen in Stellung warm bei geringem Durchfluss Warmwasser mindestens bis Temperaturkonstanz fliessen lassen.

Länger dauernde Abwesenheit / saisonale Nutzung

  • Die Stockwerk- oder Apparategruppenabsperrung schliessen.

oder

  • Alle Absperrventile bei der Verteilbatterie schliessen.

oder

  • Periodische Trinkwassererneuerung sicherstellen.

oder

  • Die Hausanschlussleitung an der Versorgungsleitung durch den Wasserversorger abtrennen lassen.

  • Kaltwasser: Bei allen Entnahmearmaturen in voll geöffneter Stellung kalt Trinkwasser mindestens bis Temperaturkonstanz fliessen lassen. Idealerweise mehrere Armaturen gleichzeitig öffnen.

  • Warmwasser: Bei allen Entnahmearmaturen in Stellung warm bei geringem Durchfluss Warmwasser mindestens bis Temperaturkonstanz fliessen lassen.

oder

  • Den Wiederanschluss durch den Wasserversorger herstellen lassen und das Spülen, wie oben beschrieben, durchführen.

Nicht mehr benutzte Installationen

Nicht benutzte Leitungen unmittelbar beim Abzweig von der Verteilleitung trennen und mittels Stopfen oder Kappen verschliessen. Andere Verschlussarten sind nicht zulässig.

Massnahmen bei kurzen und längeren Stagnationszeiten nach W3/E3:2020, 12.3, Tab. 2

5.4 Etage im Bürogebäude

Bei Bürogebäuden kann auf dem Nussbaum Stufenmodell aufgebaut werden. Jedoch müssen von Fall zu Fall auch Besonderheiten berücksichtigt werden.

Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem spezifischen Anliegen. Für nähere Auskünfte senden Sie uns einfach ein E‑Mail an info@nussbaum.ch. Einige Empfehlungen sind nachfolgend für Sie zusammengestellt.

Material:

  • In Hochhäusern ein Etagendruckreduzierventil verwenden, um die Problematik der unterschiedlichen Druckzonen zu lösen. So kann auf zusätzliche Steigzonen verzichtet und Leitungsmaterial eingespart werden.

    Tipp: Die Unterputz-Boxen verwenden, die direkt mit einer Reduzierpatrone 11050 ausgerüstet werden können.

Stagnation:

  • Bei optimaler Systemauslegung und Materialverwendung nach den Empfehlungen von Nussbaum kann in der Regel auf Spülsysteme verzichtet werden. Bei grösseren Leitungen kann es jedoch notwendig sein, eine regelmässige Spülung in den Verteil- und Steigleitungen sicherzustellen (👉 Spülsysteme).

  • Die Notwendigkeit von Warmwasseranschlüssen je nach Nutzung der betreffenden Apparate kritisch hinterfragen.

  • Bei dezentral gelegenen Armaturen in Nichtwohnbauten wie Schulhäusern, Bürogebäuden etc. nur Kaltwasser vorsehen und bei Bedarf einen kleinen Waschtisch-Durchlauferhitzer (67200.21, 67201.21) für die direkte Erwärmung bei der Auslaufarmatur anbringen.

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5.5 Etage in medizinischen Beherbergungseinrichtungen

Bei der Sanitärinstallation in medizinischen Beherbergungseinrichtungen wie Pflegeheimen und Spitälern (mit Ausnahme von OPs, Intensivstationen, Laboren etc.) gelten die Grundsätze des Nussbaum Stufenmodells. Jedoch sind häufig Sonderlösungen notwendig, um den besonderen hygienischen Anforderungen gerecht zu werden.

Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem spezifischen Anliegen. Für nähere Auskünfte senden Sie uns einfach ein E‑Mail an info@nussbaum.ch. Einige Empfehlungen sind nachfolgend für Sie zusammengestellt.

Material:

  • Die Anforderungen und Grundsätze für die Installation festlegen und schriftlich in einem Hausstandard fixieren. Bei Baumassnahmen die beteiligten Unternehmen in die Pflicht nehmen, sich an diese Standards zu halten.

    Anmerkung: Da es keine allgemeingültigen schweizerischen (oder internationalen) Spitalstandards gibt, muss jede medizinische Einrichtung selbst diese Festlegungen treffen.

  • In hygienisch kritischen Objekten wie Spitälern, Hotels oder Pflegeheimen ausschliesslich Werkstoffe verwenden, die einen sehr geringen Nährstoffeintrag aufweisen. Eine Möglichkeit besteht darin, die gesamte Installation vom Hauseintritt bis hin zur Zapfstelle (inklusive der Ausstossleitungen) aus Edelstahl aufzubauen, kombiniert mit Armaturen aus bleifreiem Rotguss.

  • Auf Bodeneinlagen komplett verzichten.

  • Zertifizierte Schläuche und Brausen verwenden. Um die mikrobielle Belastung zu reduzieren, Brausen mit Entkeimungsfilter und selbstentleerende Duschschläuche einsetzen. Alternativ: Auf Schläuche verzichten und die Brausen direkt an die Edelstahlleitung anbinden. Bei den Waschbecken auf Modelle ohne Überlaufloch zurückgreifen.

  • In Hochhäusern ein Etagendruckreduzierventil verwenden, um die Problematik der unterschiedlichen Druckzonen zu lösen. So kann auf zusätzliche Steigzonen verzichtet und Leitungsmaterial eingespart werden.

    Tipp: Die Unterputz-Boxen verwenden, die direkt mit einer Reduzierpatrone 11050 ausgerüstet werden können.

Arbeitsweise/Unterhalt:

  • Bei der Erstbefüllung die von Nussbaum und der W3/E3 vorgegebenen Standards besonders genau befolgen. Dieser Schritt ist gerade bei hygienisch kritischen Objekten von grosser Bedeutung.

  • Eine angemessene Selbstkontrolle und einen regelmässigen Unterhalt sicherstellen. Idealerweise die korrekte Funktion der Anlage täglich prüfen und dafür auch ausreichend Personalkapazität vorsehen. Das Hygienekonzept optimal auf das verfügbare Personal abstimmen. Während der Planung enge Absprachen mit dem technischen Dienst führen.

    Anmerkung: Die Hygieneaspekte von Sanitärinstallationen können durch Gebäudeautomation nur sehr eingeschränkt überwacht werden. Ein sinnvoller Einsatzbereich ist die Messung der Temperatur.

  • Bei den kritischen letzten Metern auf periodische Materialerneuerung (Brausen, Schläuche) achten. Der Austauschrhythmus muss deutlich höher sein als in Wohngebäuden.

Temperatur:

  • Auf die Einhaltung der Temperaturvorgaben nach SIA 385/1:2020, 3.2.1.4, 3.2.3, 3.2.4 und W3/E3:2020, 6.1.6 ein besonderes Augenmerk richten. Für optimale Hygienebedingungen ist es ratsam, gegenüber den Temperaturober- und -untergrenzen noch eine gewisse Reserve einzuplanen.

    Anmerkung: Gerade im Bereich der Temperatur müssen die Voraussetzungen von vornherein stimmen. Periodische thermische Desinfektionen können grundlegende Probleme nicht lösen, sondern führen schlimmstenfalls zur Bildung thermoresistenter Keime (vgl. SIA 385/1:2020, Anhang B.2).

  • Die thermische Trennung von Kalt- und Warmwasser sicherstellen – auch bei Fertigbadmodulen. Bei Bedarf die Verteilleitungen neu nach den Anforderungen der W3/E3 verlegen und anschliessen.

  • Zur Überwachung der Temperatureinhaltung ggf. Gebäudeautomation einsetzen.

Stagnation:

  • Sofort nach der Bauphase und der Befüllung der Leitungen sicherstellen, dass die Leitungen dauernd durchströmt werden.

  • Die Leitungen auf häufig genutzte Apparate schlaufen. In Wohngebäuden wird in der Regel empfohlen, die Kaltwasserleitung von der Dusche auf das WC zu schlaufen, da das Wasser in der Dusche zerstäubt wird, sodass Legionellen in die Atemwege gelangen können. Im Spital kann es sogar sinnvoll sein, die Kaltwasser- und Warmwasserleitungen aller Armaturen auf den Waschtisch zu schlaufen, sofern das Personal der Hauswirtschaft diesen täglich bei seiner Arbeit nutzt und somit spült. Da in diesem Fall eine ungünstige thermische Beeinflussung besteht, muss die Trinkwassererneuerung über das Personal jedoch zwingend sichergestellt sein.

  • Bei optimaler Systemauslegung und Materialverwendung nach den Empfehlungen von Nussbaum kann in der Regel auf Spülsysteme verzichtet werden. Bei Objekten mit besonderen hygienischen Anforderungen kann es jedoch notwendig sein, eine regelmässige Spülung sicherzustellen – gerade auch in nicht benutzten Zimmern.

    • Am sichersten und vollständigsten ist dies durch persönlich überwachte Spülungen möglich. Das Personal der Hauswirtschaft kann hierzu einen Beitrag leisten.

    • Spülstationen sind nur eingeschränkt wirksam (siehe auch 👉 Spülsysteme).

    • Bei Bedarf kann eine elektronische Entnahmearmatur angeschlossen werden, um eine regelmässige Spülung der kompletten Leitung bis und mit Brause sicherzustellen.

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