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Schnellerfassung

261.0.052 / V6

2 Begriffe und Definitionen

Für die Anwendung der Norm SIA 181 gelten folgende Begriffe und Definitionen:

Nutzungseinheiten

Umbauten im Sinne dieser Norm liegen in folgenden Situationen vor:

  • Räume oder zusammenhängende Raumgruppen, welche in Bezug auf die Nutzung eine selbständige organisatorische Einheit bilden oder bilden können z. B. Wohnungseinheiten, Bürobetriebe und Gewerbebetriebe.

  • Spitäler, Pflegeheime ohne abgeschlossene Wohneinheiten, Hotels, Schulen, Gemeinschaftsbüros, medizinische Gemeinschaftspraxen usw. sind jeweils eine Nutzungseinheit.

  • Räume sowie mit dem Gebäude verbundene Bauteile, gebäudetechnische Anlagen und feste Einrichtungen, die nicht einzelnen Nutzungseinheiten zugeordnet werden können, sondern der Gemeinschaftsnutzung dienen, sind sinngemäss wie eine Nutzungseinheit zu behandeln, z. B. Korridore, Treppenhäuser oder Laubengänge, Fassaden, gebäudetechnische Anlagen und Dachentwässerungen.

Neubauten

Neben neu erstellten Gebäuden gelten auch Umbauten als Neubauten, wenn die Eingriffstiefe eine umfassende Verbesserung des Schallschutzes ermöglicht (z. B. Auskernung eines bestehenden Gebäudes).

Umbauten

Umbauten im Sinne dieser Norm liegen in folgenden Situationen vor:

  • Die Eingriffstiefe ermöglicht eine Verbesserung des Schallschutzes z. B. Ersatz oder Einbau von Fenstern, Fussbodenaufbauten, gebäudetechnischen Anlagen und festen Einrichtungen, Sanitärinstallationen).

  • Weiche Bodenbeläge (Teppiche) werden durch Hartbeläge (Parkett, Laminat, Keramik, Stein, Kunststoff usw.) ersetzt

  • Nutzungseinheiten werden neu erstellt oder verändert (z. B. Grundrissänderungen).

Die Anforderungen gelten für die vom Umbau betroffenen Bauteile.

Umnutzungen

Umnutzungen im Sinne dieser Norm liegen dann vor, wenn bestehende Räume neu mit höherer Lärmbelastung oder höherer Lärmempfindlichkeit einzustufen sind oder neu zu Wohnzwecken genutzt werden.

Interne Lärmquellen

Lärmquellen innerhalb des Gebäudes sowie mit dem Gebäude verbundene Bauteile, gebäudetechnische Anlagen und feste Einrichtungen

Externe Lärmquellen

Lärmquellen ausserhalb des Gebäudes

2.1 Die Definition von Schall

Als Hörschall wird allgemein das Geräusch (oder Klang/Ton) bezeichnet, das Menschen auditiv wahrnehmen können.

Physikalisch gesehen ist Schall eine als Welle fortschreitende mechanische Deformation in einem spezifischen Medium. Schall breitet sich mit einer für das Medium und dessen Zustand (Temperatur, Druck usw.) charakteristischen und konstanten Schallgeschwindigkeit aus. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede. Gerade in den für das Baugewerbe relevanten Materialien breitet sich der Schall weitaus schneller aus als z. B. in Luft.

Beispiele für Ausbreitungsgeschwindigkeit (c) von Schallwellen in unterschiedlichen Medien bei einer Temperatur von 20 °C:

  • cLuft = 343 m/s

  • cWasser = 1484 m/s

  • cBeton = 3500 m/s

  • cEisen = 5100 m/s

Eine weitere charakteristische Grösse für Schallwellen ist die Frequenz (f). Sie entspricht der Anzahl der Schwingungen pro Zeiteinheit. Trifft eine Schallwelle auf das Ohr, wird die Frequenz der Schallwelle als Tonhöhe wahrgenommen. Je höher die Frequenz desto höher der Ton.

c

=

Schallgeschwindigkeit [m/s]

λ

=

Wellenlänge [m]

Einteilung des Schalls entsprechend dem Frequenzbereich:

  • Infraschall < 16 Hz (für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar)

  • Hörschall von 16 Hz bis 20 kHz (für das menschliche Gehör wahrnehmbar)

  • Ultraschall von 20 kHz bis 1.6 GHz (für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar)

  • Hyperschall > 1 GHz (für das menschliche Gehör nicht wahrnehmbar)

2.2 Kennzeichnende Grössen im Schallschutz

2.2.1 Schallschutz allgemein

Quelle: SIA 181:2020 (Schallschutz im Hochbau)

Begriff

Symbol

Einheit

Beschreibung

Schalldruck

p

Pa

Druckschwankungen der Luft, die bei der Ausbreitung von Schall entstehen.

Mittlerer Schalldruckpegel

L

dB

Mittelwert der Schalldruckpegel in einem Raum

A-bewerteter Schalldruckpegel

LAeq

dB(A)

Schalldruckpegel bei dem die Frequenzbewertung A gemäss SN EN 61672-1 angewendet wurde.

(Die Frequenzbewertung ist ein Verfahren zur frequenzabhängigen Anpassung von Schalldruckpegeln. Hierbei werden die Messgrössen durch einen Frequenzbewertungsfilter gewichtet und dem menschlichen Hörempfinden angepasst.)

Nachhallzeit

T

s

Zeitdauer in Sekunden, in welcher der Schalldruckpegel in einem Raum nach dem Beenden einer Schallfeldanregung um 60 dB abfällt.

Bezugsnachhallzeit

T0

s

Dient der Standardisierung von Schalldruckpegeln in einem Raum

T0 = 0.5 s

Äquivalente Absorptionfläche

A

m2

Hypothetische Grösse einer Fläche in mit dem Schallabsorptionsgrad 1, welche die gleiche Schallleistung absorbiert wie die Summe aller schallabsorbierenden Elemente und Oberflächen im Raum.

Volumen

V

m3

Netto-Raumvolumen (ohne geschlossene Festeinbauten, wie z. B. Einbaumöbel)

Trennbauteilfläche

S

m2

Netto-Bauteilfläche (aus lichten Abmessungen)

Spektrum-Anpassungswert

Ctr

dB

Anpassungswerte gemäss SN EN ISO 717-1 und -2, die auf Grund besonderer Frequenzabhängigkeiten von Geräuschen erforderlich sind, um Messwerte an die Gehörempfindung anzupassen.

Projektierungszuschlag

Kp

dB

Zuschlag zum Prognosewert zur Berücksichtigung von Prognoseunsicherheiten und Abweichungen in der Ausführungsqualität.

Zuschlag für Flankenübertragung

KF

dB

Bei der Prognose durch einfache numerische Rechenverfahren oder Abschätzung nach Erfahrung wird der Prognosewert durch einen Vergleich mit Labor-Messergebnissen und/oder Ergebnissen aus Messungen an ähnlichen Bausituationen gebildet. Die Werte können dabei anhand des Zuschlags für Flankenübertragungen KF auf die gegebene individuelle Situation angepasst werden. Eine indirekte Luftschallübertragung muss zusätzlich mitberücksichtigt werden.

2.2.2 Begriffe und Definitionen für Geräusche gebäudetechnischer Anlagen und fester Einrichtungen

Quelle: SIA 181:2020 (Schallschutz im Hochbau)

Begriff

Symbol

Einheit

Beschreibung

Maximaler Schalldruckpegel

LAF,max

dB(A)

A-bewerteter, maximaler Schalldruckpegel gebäudetechnischer Anlagen

Anforderungswert

LH

dB

Kennwert für den Schutz gegenüber Geräuschen gebäudetechnischer Anlagen und fester Einrichtungen

Gesamt-Anforderungswert

LH, tot

dB

Summe der Kennwerte, die in der jeweiligen Anforderung an den Schutz gegenüber Geräuschen gebäudetechnischer Anlagen und fester Einrichtungen zu berücksichtigen sind.

Funktionsgeräusch

Geräusch, dessen Intensität und zeitlicher Ablauf weitgehend unabhängig vom Benutzer ist.

Benutzungsgeräusch

Geräusch, dessen Intensität und zeitlicher Ablauf weitgehend abhängig vom Benutzer ist.

Einzelgeräusch

Geräusch mit einer Dauer von maximal 3 Minuten und einer geringen Häufigkeit des Auftretens

Dauergeräusch

Geräusch mit einer Dauer von mehr als 3 Minuten oder einer sehr grossen Häufigkeit des Auftretens

Empa-Pendelfallhammer

Gerät zur Erzeugung von Körperschallimpulsen zum Nachweis von Benutzungsgeräuschen, welches die Anforderungen gemäss SIA 181:2020 erfüllt.

2.2.3 Begriffe und Definitionen im Luftschallschutz

Quelle: SIA 181:2020 (Schallschutz im Hochbau)

Begriff

Symbol

Einheit

Beschreibung

Schalldämm-Mass

R

dB

die Luftschalldämmung von Bauteilen in Prüfständen ohne Schallübertragung über die Flanken

Bewertetes Schalldämm-Mass

Rw

dB

Einzahlangabe gemäss SN EN ISO 717-1 für das in den einzelnen Terzbändern ermittelte Schalldämm-Mass R.

Bau-Schalldämm-Mass

R'

dB

Luftschalldämmung von Bauteilen im eingebauten Zustand einschliesslich der Schallübertragung über die Flanken

Bewertetes Bau-Schalldämm-Mass

R'w

dB

Luftschalldämmung zwischen Räumen in Gebäuden, mit Hilfe einer Bezugskurve abgelesen, mit Schallübertragung über die Flanken

Schallpegeldifferenz

D

dB

Differenz zwischen dem mittlerer Schalldruckpegel im Senderaum und dem mittleren Schalldruckpegel im Empfangsraum

D = L1 −  L1

Standard-Schallpegeldifferenz

DnT

dB

Am Bau gemäss SN EN ISO 16283-1 gemessen

Dnt = D + 10 log (T/T0)

Bewertete Standard-Schallpegeldifferenz

DnT,w

dB

Einzahlangabe gemäss SN EN ISO 717-1 für die in den einzelnen Terzbändern ermittelte Standard-Schallpegeldifferenz Dnt

Anforderungswert für den Luftschall interner Lärmquellen

Di

dB

Anforderungen, die an den Luftschallschutz gegenüber internen Lärmquellen zu berücksichtigen sind.

Gesamtwert für den Luftschallschutz gegenüber internen Lärmquellen

Di,tot

dB

Summe der Kennwerte, die in der jeweiligen Anforderung an den Luftschallschutz gegenüber internen Lärmquellen zu berücksichtigen sind.