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Schnellerfassung

Neubau Kinderspital/Frauenklink LUKS, LU

Beste Wahl: Edelstahl

Der Spitalbau ist die Königsdisziplin der Trinkwasserhygiene. Beim Projekt «Neubau Kinderspital/Frauenklink LUKS» kommt für die Sanitärinstallation nur Edelstahl zum Einsatz. Drei Luzerner Installationsfirmen haben sich für das anspruchsvolle Projekt in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) zusammengeschlossen.

Mit dem kombinierten Neubau des Kinderspitals und der Frauenklinik setzt das Luzerner Kantonsspital (LUKS) einen weiteren Markstein in seiner Erneuerungsplanung (siehe Box «Imposantes Projekt»). Das Bauen auf einem Areal mit laufendem Spitalbetrieb stellt an die Beteiligten sehr hohe Ansprüche. «Die Logistik ist hier sehr eng getaktet. Man bucht einen Slot für den Lastwagen und für den Kran, und danach muss die Ware in kürzester Zeit abgeladen und auf dem richtigen Stockwerk platziert werden», sagt Daniel Isenegger Projektleiter Ausführung bei der Herzog Haustechnik AG, Luzern. Als Partner für Trinkwasser- und Vorwandinstallationen wählte man Nussbaum und konnte damit auch von derem grossen Fachwissen bezüglich digitalem Planen und Bauen profitieren.

Die ARGE umfasst die Luzerner Sanitärunternehmen Herzog Haustechnik AG, Alois Herzog AG sowie Morelli AG. Die drei Firmen stemmen gemeinsam die Umsetzung der gesamten Sanitärtechnik. Mit einem Projektvolumen von ungefähr 400 Nasszellen übersteigt das Projekt die Kapazitäten eines einzelnen Unternehmens. «Aus drei Firmenkulturen haben wir in kürzester Zeit etwas Gemeinsames erschaffen, alle ziehen am gleichen Strang», sagt Daniel Isenegger.

Gemeinsam stärker

Unter der gelben ARGE-Leuchtweste, welche diese Botschaft auch nach aussen trägt, tragen die Sanitärinstallateure nach wie vor ihre Firmenkleidung. Im vierten Obergeschoss des Neubaus arbeitet die ARGE Hand in Hand an der Verrohrung zweier Badezimmer. Die gesamte Warmwasser- wie auch die Kaltwasserinstallation wird mit Edelstahl ausgeführt. Dafür kommt das System Optipress-Aquaplus von Nussbaum zum Einsatz. «Im Schweizer Spitalbau dürfte das einzigartig sein», sagt Rafael Zaugg, Leitender Planer bei der Vadea AG. Inmitten der glänzenden Edelstahlrohre stechen einzelne orange PEX-Rohre ins Auge: «Diese Segmente brauchen wir, damit das Warmwasser die Mischarmaturen nicht allzu fest erwärmt.»

Optipress-Aquaplus wird im Projekt als überzeugender Systemverbund eingesetzt. Edelstahlrohre, Fittings, Armaturen und Verarbeitungstechnik sind aufeinander abgestimmt und ermöglichen eine durchgängige, einheitliche und nachvollziehbare Ausführung der Trinkwasserinstallation. Bemerkenswert sind auch die gemäss Kundenanforderung millimetergenau gefertigten Edelstahl-Kellerverteiler. Sie sind perfekt auf die Anlage abgestimmt, tragen zum Korrosionsschutz und damit zur hygienischen Qualität der Installation bei.

Die Verarbeitung von Optipress-Aquaplus sei schnell und effizient, sagt Antonello Morelli, Inhaber der Morelli AG, Luzern: «Die Rohre werden von uns passend zugeschnitten, wenn nötig gebogen und danach montiert. Speziell ist sicherlich, dass wir teilweise direkt vom Edelstahlrohr auf die Armaturen gehen. Dank dem Presswerkzeug klappt auch diese Arbeit sehr genau und schnell.» Mit dem direkten Anschluss der Apparate kann auf eine Übergangsverschraubung verzichtet werden, und es gibt weniger Keimnischen für Mikroorganismen. «Edelstahl ist in der Etagenverteilung hygienetechnisch Premium», sagt Stephan Schmitter, zuständiger Mitarbeiter Verkauf Aussendienst bei Nussbaum. Für die Installation im LUKS komme kein anderes System in Frage: «Edelstahl ist korrosionsbeständig, formstabil und inert. Es können keine Stoffe ausgewaschen werden, womit auch kein Wachstum von Mikrobiologie stattfinden kann.» Der Montageaufwand sei zwar höher als bei einer gemischten Installation mit Edelstahl und PEX, jedoch überzeuge die reine Edelstahl-Installation mit maximaler Trinkwasserhygiene, ausgewiesener Langlebigkeit und sehr guter Sicherheit.

Flexibles Vorwandsystem

Für den Aufbau der rund 400 Nasszellen kommt das Nussbaum Vorwandsystem Optivis-Tec zum Einsatz. Dessen Profile werden als drei oder fünf Meter lange Stangenware geliefert, auf der Baustelle konfektioniert und direkt aufgebaut. Das Prinzip «Mach’s vor Ort» garantiert damit logistische Unabhängigkeit von Lieferzyklen, was unter den anspruchsvollen Bedingungen des Spitalbaus ein entscheidender Vorteil ist. Marcel Herzog von der Firma Alois Herzog AG hält fest: «Da die Logistik sehr knapp gehalten ist und wir inmitten vieler anderer Gewerke wie Elektro, Lüftung, Gipser oder Medizinalgas arbeiten, ist das ein riesiger Vorteil.»

Um die ARGE personell zu entlasten, übernimmt der Leistungspartner von Nussbaum den Vorwandaufbau zu einem garantierten Fixpreis. Somit kann sich die ARGE auf die Rohrleitungsmontage konzentrieren. «Alleine würden wir diese Menge niemals schaffen. Wir sind sehr froh um die Vorwand-Spezialisten, so können wir mit der Verrohrung zügig vorwärtsmachen», sagt Daniel Isenegger von der Herzog Haustechnik AG. Spezielle Deckenabstützungen fangen Setzungen der massiven Betondecken von bis zu 3 Zentimetern flexibel auf. Stephan Schmitter, zuständiger Mitarbeiter Verkauf Aussendienst bei Nussbaum, erläutert: «Im Lauf der Zeit wird sich diese Betondecke naturgemäss senken. Dank der flexiblen Konstruktion vermeiden wir Spannungsrisse.» Ein besonderer Trumpf des Systems ist sein VKF-Zertifikat für Raumhöhen von bis zu fünf Metern. Das erlaubt den normenkonformen Einsatz ohne gewerksfremde Hilfskonstruktionen.

Digitale Planung

Sämtliche Sanitär- und Warmwassersysteme wurden modellbasiert koordiniert. Dank dem konsequenten Einsatz von Building Information Modeling (BIM) konnten mögliche Kollisionen früh erkannt und danach die Installationswege optimiert werden. Interessanterweise sind sämtliche Betondecken im Neubau massiv. Eingelegte Rohre gibt es keine. Das erhöht nicht nur die Stabilität, sondern machte den Bau überhaupt erst möglich. Denn die ersten Planungen begannen vor rund sechs Jahren. Für die Medizinalbranche eine Ewigkeit. «Zahlreiche Anschlüsse und Leitungen wurden immer wieder umgeplant. Ein Grund dafür ist der rasche Fortschritt bei den medizinischen Geräten. Bei Spitälern ist diese rollende Planung normal. Doch auffangen können wir diese Änderungen nur, wenn die Leitungsführung ebenso flexibel bleibt», sagt Daniel Isenegger. Auch deshalb sei die enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Nussbaum eine Entlastung: «Egal, wie kurzfristig die Änderungen umgesetzt werden müssen – gemeinsam finden wir immer eine Lösung», meint Roland Fischer, Gesamtprojektleiter der ARGE und Abteilungsleiter Sanitär bei der Herzog Haustechnik AG.

Unter den Geschossdecken verlaufen zuoberst die Wasserleitungen, darauf folgen Heizung, Elektro, Medizinalgas, Daten und weitere Gewerke. Diese Systemtrennung erlaubt es, auf die Anpassungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte flexibel zu reagieren und Umbauarbeiten effizient und kostengünstig ausführen zu können. Im Herbst 2026 wird das neue Gebäude Schritt für Schritt bezogen und in Betrieb genommen. Daniel Isenegger bilanziert: «Wir haben uns gegenseitig ausgeholfen. Das hat prima geklappt. Schön ist auch, dass das LUKS regionale Betriebe berücksichtigt hat.» Antonello Morelli ergänzt: «Für uns bedeutet Qualität nicht nur Präzision beim Bauen, sondern Verantwortung für die kommenden Generationen.» Dem stimmt auch Marcel Herzog zu: «Mit unseren drei verschiedenen Firmen und Kulturen hat es wunderbar funktioniert. Einer für alle, alle für einen.»

Das Luzerner Kantonsspital (LUKS) ist ein wichtiges Zentrumsspital für die Zentralschweiz. Im Zuge der Sanierungs- und Erneuerungsplanung entstand ein eindrücklicher Neubau. Dieser umfasst einerseits das Kinderspital Zentralschweiz inklusive Neonatologie und Neugeborenen-Intensivstation, andererseits die neue Frauenklinik. Der Bezug der neuen Räume findet im Herbst 2026 statt.

Welche Besonderheiten zeichnen die Sanitärinstallation im LUKS-Neubau aus?

Die ganze Installation ist auf maximale Hygiene, Zuverlässigkeit und Sicherheit ausgelegt. Nicht nur die Steigzonen, sondern auch die gesamte Etagenverteilung wurde mit Edelstahl ausgeführt. Das ist in der Schweizer Spitallandschaft meines Wissens einzigartig. Kalt- und Warmwasser werden im ganzen Gebäude thermisch getrennt, und wir haben grossen Wert auf eine erstklassige Dämmung der Leitungen sowie eine permanente Temperaturüberwachung gelegt. Dank der ringförmigen Etagenverteilungen mit konsequenter Zirkulation halten wir das Wasser in Bewegung und vermeiden, dass es stagniert.  

Die Sanitärinstallation in einem Spital muss höchste Anforderungen erfüllen. Die drei zentralen Vorgaben sind erstens Hygiene und Legionellenprävention, zweitens Betriebssicherheit und Verfügbarkeit und drittens die funktionale Sicherheit.

Im Rohbau fällt auf, dass die Kaltwasserleitungen sehr stark gedämmt werden − mit bis zu 40 Millimetern für ein wenige Millimeter starkes Edelstahlrohr. Weshalb?

Es gab in den letzten 10−15 Jahren eine sehr umfangreiche Forschung bezüglich Legionellen und Mikroorganismen. Beim Warmwasser weiss man heute sehr genau, worauf es ankommt. Mit dem Einhalten der Mindesttemperaturen und der konsequenten thermischen Trennung können Probleme in der Regel vermieden werden. Die «Baustelle» ist heute eher das Kaltwasser. Wenn es zu sehr erwärmt wird, etwa durch die Warmwasserstränge, thermische Lasten oder eine unzureichende Dämmung, gerät es schnell in den ungünstigen Temperaturbereich zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Dagegen hilft nur eine sehr konsequente Planung und Dämmung, und genau das setzen wir am LUKS um.

Die Forschung hat gezeigt, dass die Inbetriebnahme der Installation eine Schwachstelle sein kann. Wie vermeiden Sie diese beim Neubau?

Die Druckprüfung der Trinkwasserleitungen erfolgt ausschliesslich mit Luft. Wir füllen sie so spät wie möglich mit Wasser und sorgen mit automatischen Hygienespülungen dafür, dass spätestens nach 72 Stunden der Leitungsinhalt erneuert wird. Während der ganzen Betriebsdauer nehmen wir automatische, dokumentierte Temperaturmessungen vor und prüfen, ob die Sollwerte eingehalten werden. Und das nicht nur bei der Warmwassererzeugung, sondern auch beim Vor- und Rücklauf sowie an Endpunkten der Installation. Nicht zuletzt gibt es regelmässige mikrobiologische Kontrollen gemäss dem Trinkwasserhygienekonzept.

Das Objekt auf einen Blick

Neubau Kinderspital/Frauenklink LUKS, LU

Baujahr 2024-2026

 

Am Bau Beteiligte

Sanitärinstallationen: Herzog Haustechnik AG Luzern, Alois Herzog AG Luzern und Morelli AG Luzern

Planer: Vadea AG, Wallisellen ZH

 

Eingesetzte Nussbaum Systeme

Optivis-Tec

Optipress-Aquaplus

Optiflex-Profix