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Trinkwasserhygiene – Die Anlage ist die Lösung

4 Fokusthemen

In den Fokusthemen werden die Arbeitsschritte in den einzelnen Bauphasen unter Einbezug der Einflussfaktoren aus dem Nussbaum Stufenmodell erläutert.

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1

Die ersten Meter im Gebäude

2

Entscheidende Schritte für sauberes Trinkwasser

3

Wassererwärmung

4

Verteilung

5

Die letzten Meter vor der Entnahme

6

Systemgrenze Trinkwasser

7

Spezialobjekte

4.1 Fokus 1: Die ersten Meter im Gebäude

Ab dem Wasserzähler bzw. der ersten Absperrarmatur geht die Verantwortung für die Trinkwasserqualität vom Versorger auf den Bauherrn über. Ab hier gilt es, durch ordnungsgemässe Installationen den Weitertransport ohne Qualitätseinbussen sicherzustellen.

Hierfür müssen die drei Einflussfaktoren berücksichtigt werden: Durch die richtigen Materialien und Arbeitsabläufe Verunreinigungen und Nährstoffeintrag vermeiden, durch die korrekte Temperaturhaltung die Keimvermehrung vermeiden und die Risiken durch stagnierendes Wasser berücksichtigen.

Massnahme

Einflussfaktor

  • Edelstahl und Rotguss verwenden.

Richtige Materialien und Arbeitsabläufe

  • Bleifreie Komponenten für die Installation verwenden, um die Anforderungen der TBDV:2018 und Minergie-ECO zu erfüllen.

  • Hygienisch geprüfte Armaturen mit SVGW-Zertifizierung verwenden.

  • Einen rückspülbaren Filter mit Rückspülautomatik verwenden.

  • Die Rohre, Fittings und Armaturen erst kurz vor dem Einbau auspacken und vor möglichen Umwelteinflüssen wie Schmutz, Hitze, Frost, UV-Strahlung oder Chemikalieneinwirkung geschützt lagern.

  • Die Montagerichtlinien beachten.

  • Zur Optimierung der Verbindungsstellen und der Dimensionierung einen von Nussbaum massgefertigten Edelstahlverteiler verwenden:
    www.nussbaum.ch/dienstleistungen

  • Die Leitungen gegen Wärmeeinwirkungen schützen, sofern dies erforderlich ist.

Temperaturhaltung

  • Absperrarmaturen mit optimaler Ventil-Technologie (Freifluss) verwenden.

Stagnation berücksichtigen

  • Anschlussflansch (12085) mit Flanschabdeckung (12091) für Bauprovisorium verwenden. So bleibt die Verteilbatterie trocken, während die Hauszuleitung schon in der Bauphase durch die Bauwasser-Entnahme gespült wird.

  • Nicht durchflossene Leitungsteile > 4 x Innendurchmesser des Rohrs rückbauen:

    • Keine Filterumgehungen > 4 x Innendurchmesser einbauen.

    • Auf Reserveanschlüsse verzichten.

    • Nicht mehr benutzte Leitungsteile ordnungsgemäss von der Installation trennen.

  • Wenig benutzte Leitungen über eine häufig benutzte Entnahmearmatur schlaufen.

Richtige Materialien und Arbeitsabläufe /
Stagnation berücksichtigen

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4.1.1 TBDV-Grenzwerte

Die mikrobiologischen und chemischen Anforderungen an das Trinkwasser müssen eingehalten werden. Bei den TBDV-Grenzwerten ist hierbei zu beachten:

4.1.1.1 Mikrobiologische Anforderungen an Trinkwasser (TBDV:2018, Anhang 1)
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Auszug aus TBDV:2018, Anhang 1
4.1.1.2 Mikrobiologische Anforderungen an Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV: 2018, Anhang 5)
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Auszug aus TBDV:2018, Anhang 5
4.1.1.3 Chemische Anforderungen an Trinkwasser (TBDV:2018, Anhang 2)
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Auszug aus TBDV:2018, Anhang 2

4.2 Fokus 2: Entscheidende Schritte für sauberes Trinkwasser

Bei der Installation und der späteren Überwachung und Wartung des Systems sind bestimmte Arbeitsabläufe zu beachten, um die einwandfreie Trinkwasserqualität sicherzustellen. Diese betreffen vor allem folgende Tätigkeiten:

4.2.1 Druckprüfung

Aus hygienischen Gesichtspunkten ist bei der Druckprüfung entscheidend, zu welchem Zeitpunkt die Installation mit Wasser befüllt wird, d. h. wie lange das Wasser in den Leitungen stagniert.

Deshalb empfehlen wir eine Dichtheitsprüfung mit Luft (150 mbar) und nach der Erstbefüllung / Inbetriebnahme eine Endprüfung mit Wasser mit dem Betriebsdruck (Prüfmethode A). Dies sollte in den letzten 72 h vor dem bestimmungsgemässen Betrieb stattfinden.

Weitere Informationen und Prüfprotokolle zum Thema Druckprüfung finden Sie auf der Nussbaum Homepage:
www.nussbaum.ch/dichtheitspruefung

4.2.2 Erstbefüllung und Spülung

Bei der Erstbefüllung liegt das Hauptaugenmerk darauf, von Beginn an sauberes, hygienisch einwandfreies Trinkwasser in die Installation zu speisen.

Die Richtlinie SVGW W3/E3:2018, 5 enthält detaillierte Vorgaben zu Erstbefüllung und Spülung, darunter insbesondere die folgenden:

  • Alle Trinkwasserleitungen frühestens 72 Stunden vor dem bestimmungsgemässen Betrieb spülen. Wenn zwischen Erstbefüllung/Spülung und Betrieb mehr als 72 Stunden vergehen, sind Massnahmen zu ergreifen, damit der betroffene Leitungsinhalt alle 72 Stunden erneuert wird.

  • Eine ausreichende Wassererneuerung in der Hausanschlussleitung sicherstellen.
    Nussbaum empfiehlt hierfür den Anschlussflansch (12085) mit der Flanschabdeckung (12091). Die Hausanschlussleitung kann so bereits in der Bauphase ganz einfach durch Entnahme von Bauwasser gespült werden. Dies ist vor allem wichtig, da die Hausanschlussleitung vor Montage des Feinfilters nochmals sauber gespült werden muss.

  • Die Verteilleitung mit dem nötigen Durchfluss so lange spülen, bis Trinkwasserqualität sichergestellt ist. Hierbei abhängig von der Nennweite der Verteilleitung eine Mindestanzahl von Entnahmearmaturen öffnen, die von der Verteilleitung versorgt werden.

Grösste Nennweite der Verteilleitung im zu spülenden Leitungsabschnitt

DN 20

DN 25

DN 32

DN 40

DN 50

DN 65

DN 80

Mindestanzahl der zu öffnenden Entnahmearmaturen DN 15

3

5

7

12

18

31

46

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4.2.3 Inbetriebnahme und Übergabe

Bei der Inbetriebnahme der gesamten Anlage oder der einzelnen Abschnitte müssen folgende Punkte überprüft und dokumentiert werden:

  • Warmwassertemperatur im Speicher: 60 °C

  • Warmwassertemperatur nach 7-facher Ausstosszeit: mind. 50 °C

  • Kaltwassertemperatur nach 30 Sekunden: max. 25 °C

  • Nach dem Abschluss der Erstbefüllung und Spülung: Geruch, Geschmack und Aussehen des Trinkwassers an den Entnahmestellen prüfen.

Anschliessend kann die Anlage an den Eigentümer/Betreiber übergeben werden. Dies muss protokolliert werden.

Ab diesem Datum ist der Eigentümer/Betreiber zuständig für den bestimmungsgemässen Betrieb. Falls der bestimmungsgemässe Betrieb noch nicht möglich ist, müssen mit dem Eigentümer/Betreiber geeignete Massnahmen vereinbart und durchgeführt werden.

4.2.4 Wartung

Die empfohlene Häufigkeit für Inspektions- und routinemässige Unterhaltsmassnahmen kann in Abhängigkeit von den folgenden Faktoren angepasst werden:

  • Grösse und Komplexität der Sanitäranlage

  • Art der Wasserverwendung (Trinken, Kochen, Duschen, medizinische Zwecke usw.)

  • Verbraucher (Empfindlichkeit)

  • Betriebsweise der Sanitäranlage (ständig, intermittierend, saisonal usw.)

Die Richtlinie SVGW W3/E2:2013 sieht u. a. folgende Wartungsintervalle vor:

Anlagebauteil und Einheit

Inspektion

Routinemässiger Unterhalt

Filter rückspülbar
Filtrationsfeinheit 80 µm bis 150 µm

Alle 2 Monate

Filter nicht rückspülbar
Filtrationsfeinheit 80 µm bis 150 µm

Mindestens halbjährlich

Filter
Filtrationsfeinheit < 80 µm

Alle 2 Monate

Rohrbelüfter HB
für Schlauchanschlüsse

Jährlich

Jährlich

Automatischer Umsteller HC

Jährlich

Rückflussverhinderer EA
kontrollierbar

Jährlich

Jährlich

Rückflussverhinderer EB
nicht kontrollierbar

Jährlich

Austausch alle 10 Jahre

Systemtrenner CA
mit unterschiedlichen nicht kontrollierbaren Druckzonen

Jährlich

Systemtrenner BA
mit kontrollierbarer Mitteldruckzone

Jährlich, gemäss Wartungsvertrag

Druckminderer

Jährlich

Jährlich

Enthärter

Alle 2 Monate

Jährlich

Sicherheitsgruppe
für Expansionswasser

Halbjährlich

Jährlich

Sicherheitsventil
für Expansionswasser

Halbjährlich

Jährlich

Wassererwärmer

Halbjährlich

Jährlich

Rohrleitungen

Jährlich

4.2.5 Probenahmen

Die Entnahme von Wasserproben dient zur Überprüfung der mikrobiologischen Belastung. Hierbei zeigt sich, ob das Konzept der Selbstkontrolle und die angewendeten Massnahmen wirksam sind und ob eine einwandfreie Trinkwasserqualität gewährleistet ist.

Um die Entnahme von Wasserproben optimal durchführen zu können, empfiehlt es sich, Probenahmeventile einzubauen. Die Anordnung der Probenahmeventile ist vom individuellen Leitungsnetz abhängig. An folgenden Orten ist ein Probenahmeventil in jedem Fall erforderlich:

  • Beim Wassereintritt ins Gebäude (nach dem Wasserzähler)

  • Beim Austritt aus dem Wassererwärmer

  • In der Warmwasserzirkulation, vor dem Eintritt zurück in den Speicher

Eine Probenahme muss von einer Fachperson durchgeführt werden. Es ist von Vorteil, die Warmwasser-Installation und die Kaltwasser-Installation getrennt voneinander zu beproben. Die Beprobung von Mischwasser sollte vermieden werden, da sie die Interpretation der Befunde erschwert. Bei Einhebel-Mischbatterien ist dies allerdings nicht immer einzuhalten. Es ist in diesem Fall aber zumindest darauf zu achten, dass der Hebel zur Warmwasserbeprobung ganz in die Heisswasserposition gebracht wird, bei Kaltwasser entsprechend ganz in die Kaltwasserposition.

Für die Probenahme von Wasser ab Bezugsarmaturen werden folgende Schritte ausgeführt (gilt für Warm- und Kaltwasserproben):

1. Vorbereitung der Entnahmestelle:

  • Strahlregler oder sonstige Armaturenaufsätze entfernen.

  • Die Auslaufstelle der Entnahmearmatur mittels Abflammen (bevorzugt), Aufsprühen von Alkohol (Ethanol 70 % oder Alkoholtupfer desinfizieren.

2. Vorlauf an der Entnahmearmatur:

  • Die Entnahmearmatur öffnen, einen ruhigen Wasserstrahl einstellen.

  • 1 bis 3 Liter Wasser in einen Messbecher ablaufen lassen und verwerfen.

3. Probenbehälter befüllen:

  • Direkt anschliessend (ohne Schliessen und Wiederöffnen der Entnahmearmatur) das Wasser in ein steriles Probenahmegefäss abfüllen. Das Probenvolumen sollte mind. 250 ml betragen. Für Stagnationsbeprobung wird ein maximales Volumen von einem Liter empfohlen.

  • Das Gefäss verschliessen.

4. Temperatur bei der Probenahme messen:

  • Direkt anschliessend weitere ca. 250 ml Wasser in einen Messbecher abfüllen.

  • Die Wassertemperatur unverzüglich messen und dokumentieren als «Probenahmetemperatur».

5. Wassertemperatur bei Temperaturkonstanz messen:

  • Wasser aus der Entnahmearmatur bis zur Temperaturkonstanz in einen Messbecher ablaufen lassen.

  • Die Wassertemperatur im Messbecher messen und als «Konstante Temperatur» dokumentieren, optimal zusammen mit der Angabe der Zeitdauer bis zum Erreichen der Temperaturkonstanz.

Anmerkungen: Der Zyklus einer Probenahme richtet sich nach der Risikobeurteilung der Anlage. Im privaten Bereich gibt es keine mikrobiologischen Anforderungen an das Trinkwasser. Für öffentliche Anlagen legt die TBDV:2018 bestimmte Grundanforderungen fest (TBDV-Grenzwerte).

4.3 Fokus 3: Wassererwärmung

Die Temperatur ist eine kritische Grösse, um die mikrobiologische Belastung des Wassers gering zu halten. Daher müssen bei der Wassererwärmung und bei der Verteilung des Warmwassers bestimmte Punkte beachtet werden.

Massnahme

Einflussfaktor

  • Warmwassertemperaturen nach SIA 385/1:2011, 3.2.4 einhalten:

    • 60 °C am Ausgang des Wassererwärmers

    • 55 °C in den warmgehaltenen Leitungen (bis inklusive dem Verteiler)

    • 50 °C an der Entnahmestelle

Temperaturhaltung

  • Mithilfe von Wärmesiphons eine Auskühlung durch rohrinterne Gegenstromzirkulation unterbinden. Die Höhe des Wärmesiphons muss mindestens 7 x den Innendurchmesser des Rohrs oder mindestens 15 cm betragen (SIA 385/1:2011, 5.5.4).

    • Bei nicht warm gehaltenen Leitungen: Wärmesiphons direkt beim Wasser­erwärmer installieren.

    • Bei warmgehaltenen Leitungen: Wärmesiphons vor den Ausstossleitungen installieren.

  • Den Wasserwärmer so dimensionieren, dass max. ein Tagesverbrauch abgedeckt wird.

Stagnation berücksichtigen

4.4 Fokus 4: Verteilung

Die ersten Meter im Gebäude sind zurückgelegt und das Wasser ist erwärmt. Nun gilt es, das Kalt- und Warmwasser im Gebäude zu verteilen.

Bei der Umsetzung der Steigzonen sind die drei Einflussfaktoren der Trinkwasserhygiene gleichermassen von Bedeutung. Erstens muss durch die Wahl der richtigen Materialien der Nährstoffeintrag vermieden werden. Zweitens gilt es, KW und WW auf Temperatur zu halten. Drittens muss den Risiken der Stagnation so weit wie möglich vorgebeugt werden.

Massnahme

Einflussfaktor

  • Edelstahl und Rotguss verwenden.

Richtige Materialien und Arbeitsabläufe

  • Bleifreie Komponenten für die Installation verwenden, um die Anforderungen der TBDV:2018 und Minergie-ECO zu erfüllen.

  • Hygienisch geprüfte Armaturen mit SVGW-Zertifizierung verwenden.

  • Eine Kaltwassertemperatur von maximal 25° C einhalten.

Temperaturhaltung

  • Bei Anordnung der Leitungen für warmes und kaltes Trinkwasser übereinander die Leitung für Warmwasser über der Kaltwasserleitung anordnen (W3:2013, 4.1).

  • Warm- und Kaltwasser im Steigeschacht thermisch trennen:

    • Steigzonen KW und WW separat führen.

    • Trenndämmung mit einem grösseren Dämmwert als die Dämmung gegen den Raum verwenden.

  • Die thermische Trennung und Dämmung der KW- und WW-Leitungen bis und mit Verteiler weiterführen.

  • Wenn der Warmwasserverteiler ≤ 1 m von der warmgehaltenen Leitung entfernt ist und alle Komponenten durchgehend gedämmt sind, muss dieser Leitungsabschnitt nicht in die Berechnung der Ausstosszeit eingerechnet werden (SIA 385/2:2015, 4.1.4). Bei weiteren Distanzen empfiehlt Nussbaum, die Warmwasserleitung für eine optimale Warmhaltung bis vor die Unterputz-Armaturenbox zu schlaufen (Verteilung).

  • Die Zirkulationsinstallation richtig planen:

    • Thermisches Zirkulationsventil für optimale Temperaturregelung

    • Elektronisches Zirkulationsventil zur Temperaturüberwachung, Temperaturregelung und Ansteuerung von anderen Komponenten

    • Richtige Auslegung des Zirkulationssystems

    • Richtige Wahl der Zirkulationspumpe: Drehzahlregulierte Pumpe für anpassbare Fliessgeschwindigkeiten

  • Die Zirkulationsinstallation mit einer dauernd betriebenen Zirkulationspumpe betreiben, um Stagnation zu vermeiden.

    • Hygienisch optimal: Zirkulationsleitung separat mit Optipress-Aquaplus (Edelstahl) führen.

    • Rohr-an-Rohr-System mit einer Zirkulationsleitung aus Kunststoff nur mit dauerbetriebenen Pumpen verwenden.

Stagnation berücksichtigen

  • Absperrarmaturen mit optimaler Ventil-Technologie (Freifluss) verwenden.

  • Die Rohre und Leitungen optimal dimensionieren. Wenn Reserven vorgesehen sind, dann sollten sie in der Steigzone und nicht in den letzten Metern eingeplant werden.

    Tipp: Die verschiedenen Hilfsmittel zur Dimensionierung auf der Nussbaum Homepage verwenden:
    www.nussbaum.ch/rohrweitenbestimmung

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Verteilung

4.5 Fokus 5: Die letzten Meter vor der Entnahme

Im letzten Schritt wird das Wasser zu den Apparaten geführt. Nussbaum empfiehlt für die letzten Meter vor der Entnahme ein Einzelzapfstellen-System mit optimal dimensionierten Ausstossleitungen. So wird die Ausstosszeit gering gehalten und stagnierendes Wasser schnell verworfen.

Massnahme

Einflussfaktor

  • Eine Unterputz-Armaturenbox verwenden, um die thermische Trennung von Kalt- und Warmwasser zu gewährleisten. Nussbaum bietet passende Varianten für die verschiedenen Systeme (70000 bis 70019).

Temperaturhaltung

  • Eine Unterputz-Verteilerbox (ab 2020 im Nussbaum Sortiment erhältlich) verwenden, um die thermische Trennung bis hin zu den Ausstossleitungen sicherzustellen.

  • Die Rohre für KW und WW vom Verteiler aus im Einzelzapfstellen-System getrennt und im Schutzrohr zu den Apparaten führen.

    Anmerkung: Während bei geschlauften Installationen und T-Stück-Installationen die Warmwasserseite über den Mischer die Kaltwasserleitung erwärmt, ermöglicht das Einzelzapfstellen-System eine bessere thermische Trennung.

  • Bei der Führung von KW und WW im Boden einen Mindestabstand von 10 cm einhalten.

  • Die Warmwasser-Ausstossleitungen nicht dämmen (SIA 385/1:2011, 5.4.1). So können sie schnell abkühlen und befinden sich nur kurz im kritischen Temperaturbereich.

  • Die Kaltwasser-Ausstossleitungen nicht dämmen.

  • Mithilfe von Wärmesiphons eine Auskühlung durch rohrinterne Gegenstromzirkulation unterbinden (SIA 385/1:2011, 5.5). Die Höhe des Wärmesiphons muss mindestens 7 x den Innendurchmesser des Rohrs oder mindestens 15 cm betragen (SIA 385/1:2011, 5.5.4). Ein Wärmesiphon kann beispielsweise wie folgt geplant werden:

    • Ist der Verteiler warmgehalten: die Ausstossleitungen ab dem Verteiler mit einem ausreichend grossen Bogen nach unten installieren (Einzelzapfstellen-System).

    • Ist der Verteiler nicht warmgehalten: den Wärmesiphon vor dem Verteiler oder beim Speicherausgang planen.

  • Die maximalen Ausstosszeiten nach SIA 385/2:2015, 3.2 und 3.3 einhalten:

    • 15 Sekunden bei nicht warmgehaltenen Leitungen

    • 10 Sekunden bei warmgehaltenen Leitungen

    Anmerkung: Die eigentliche Warmwasserentnahme beginnt nach der Ausstosszeit, d.h. sobald die Nutzbarkeitsgrenze von 40 °C an der Entnahmestelle erreicht ist (SIA 385/2:2015, Anhang G.2).

Eine praktische Hilfestellung hierzu bieten die Tabellen zu den Ausstosszeiten und dem Druckverlust bei unterschiedlichen Volumenströmen und Rohrdimensionen, siehe Technikbucheintrag auf der Nussbaum Homepage:
www.nussbaum.ch/rohrweitenbestimmung

  • Die Rohre und Leitungen im Einzelzapfstellen-System optimal dimensionieren.

    • Hilfsmittel zur Dimensionierung auf der Nussbaum Homepage verwenden:
      www.nussbaum.ch/rohrweitenbestimmung

    • Bei den Ausstossleitungen eine maximale Länge von 9 Metern nicht überschreiten (Einzelzapfstellen-System), um den Leitungsinhalt und die Ausstosszeit gering zu halten (9-Meter-Regel).

Stagnation berücksichtigen

  • Durch richtiges Verhalten im Betrieb für einen regelmässigen Ausstoss des stagnierenden Wassers sorgen (Verhaltensregeln im Betrieb).

    Anmerkung: Bei optimaler Systemauslegung kann in der Regel auf automatische Spülsysteme verzichtet werden. Zudem entfalten Spülsysteme an neuralgischen Stellen wie Duschschläuchen oder Brausen keine Wirkung.

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Einzelzapfstellen-System

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4.5.1 9-Meter-Regel

Mit dem Einzelzapfstellen-System sind kleinstmögliche Rohrdurchmesser umsetzbar und grosse Summenvolumen werden vermieden. Dies ermöglicht einen schnellen Ausfluss des Leitungsinhalts. So kommt spätestens nach 5 Sekunden frisches Kalt- und Warmwasser.

Der Wasserinhalt beträgt bei maximal 9 m Ausstossleitung (Einzelzapfstellen-System):

1-LU-Apparate mit Rohr 16 x 3.8

0.5 l (5 s)

2-LU-Apparate mit Rohr 16 x 2.2

0.9 l (5 s)

3-LU-Apparate mit Rohr 20 x 2.8

1.4 l (5 s)

Auf diese Weise werden die Endarmaturen (z. B. Brause, Brausenschlauch, Strahlregler) gespült und das darin stagnierende Wasser verworfen.

Anmerkung: Dieses Vorgehen deckt sich mit den Prinzipien der Grenzwertbestimmung. Bei einer Messung der chemischen TBDV-Grenzwerte sind die ersten 500 ml nicht messrelevant. Bei mikrobiologischen Messungen wird sogar mindestens der erste Liter verworfen (Probenahmen).

4.5.2 Verhaltensregeln im Betrieb

Bei falschem Verhalten im Betrieb nützt auch die beste Installation nichts. Folgende Massnahmen helfen, stagnierendes Wasser zu vermeiden und zu verwerfen, um bestmögliches Trinkwasser zu erhalten:

Dauer der Abwesenheit

Massnahmen zu Beginn der Abwesenheit

Massnahmen bei Ende der Abwesenheit

4 Stunden bis 3 Tage

Keine

Trinkwasser etwas vorlaufen lassen

bis 7 Tage

Keine

Vorlaufen lassen bis Temperaturkonstanz

bis 4 Wochen

  • Absperrarmatur schliessen

  • Regelmässige Trinkwasser­erneuerung

  • Kaltwasser voll geöffnet, bis Temperaturkonstanz

  • Warmwasser leicht geöffnet, bis Temperaturkonstanz

Längere Abwesenheit

  • Absperrarmatur schliessen

  • Regelmässige Trinkwasser­erneuerung

  • Trennung der Hausanschluss­leitung

  • Kaltwasser voll geöffnet, bis Temperaturkonstanz

  • Warmwasser leicht geöffnet, bis Temperaturkonstanz

  • Wiederanschluss Hausanschlussleitung

Keine Nutzung

Trennung beim Abzweig der Verteilleitung, Verschluss mittels Zapfen oder Kappe

4.6 Fokus 6: Systemgrenze Trinkwasser

In oder ausserhalb von Gebäuden gibt es immer wieder Schnittstellen, wo Trinkwasser mit Flüssigkeiten anderer Kategorien (Wasserkategorien) in Berührung kommen kann. Damit es zu keiner Verunreinigung des Trinkwassers kommt, werden Sicherheitsarmaturen für die Absicherung der einzelnen Trinkwasserkategorien benötigt.

4.6.1 Wasserkategorien

Gemäss SVGW W3/E1:2013 werden die verschiedenen Flüssigkeiten je nach Art ihrer Belastung in 5 Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1:

Wasser für den menschlichen Gebrauch, das direkt einer Trinkwasserinstallation entnommen wird und den Bestimmungen der Lebensmittelgesetzgebung entspricht.

Kategorie 2:

Flüssigkeit, die keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellt. Flüssigkeiten, die für den menschlichen Gebrauch geeignet sind, einschliesslich Wasser aus einer Trinkwasserinstallation, das eine Veränderung in Geschmack, Geruch, Farbe oder Temperatur (Erwärmung oder Abkühlung) aufweisen kann.

Beispiele: Trinkwasser warm, gekühlt oder mit Fruchtsäften, Suppen, Kaffee, Wasser von gekochten Lebensmitteln usw.

Kategorie 3:

Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch die Anwesenheit eines oder mehrerer weniger giftiger Stoffe darstellt.

Beispiele: Heizungswasser ohne Additive, Wasser mit Frostschutzmittel, Spülwasser für Geschirr- und Küchengeräte, Spülkastenwasser, zahnärztliche Arbeitsplätze usw.

Die Abgrenzung zwischen Kategorie 3 und Kategorie 4 ist LD 50 = 200 mg/kg Körpergewicht gemäss EU-Dokument 93/21 EEC vom 27. April 1993.

Kategorie 4:

Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch die Anwesenheit eines oder mehrerer giftiger oder besonders giftiger Stoffe oder einer oder mehrerer radioaktiver, mutagener oder kanzerogener (krebserregender) Substanzen darstellt.

Beispiele: Wasser mit oberflächenaktiven Stoffen, Wasser mit Desinfektionsmittel, Wasser mit Algeciden, Heizungswasser mit Additiven usw.

Kategorie 5:

Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch die Anwesenheit von mikrobiellen oder viralen Erregern übertragbarer Krankheiten darstellt.

Beispiele: Regenwasser, Schwimmbeckenwasser, Waschmaschinenwasser, WC-Wasser, Wasser aus Tiertränken usw.

4.6.2 Rückflussverhinderung mit RN-Produkten gemäss W3/E1

Je nach Einsatzfall können verschiedene Sicherungseinrichtungen verwendet werden, um das Nichttrinkwasser (Kategorien 2 bis 5) vom Trinkwasserversorgungsnetz zu trennen:

Sicherheitseinrichtung

Absicherung

Rückflussverhinderer EA, kontrollierbar (z. B. 15101)

bis Kat. 2

Systemtrenner CA mit unterschiedlichen nicht kontrollierbaren Druckzonen (z. B. 15090)

bis Kat. 3

Systemtrenner BA mit kontrollierbarer Mitteldruckzone (z. B. 15078)

bis Kat. 4

Sicherheitstrennstation AB mit offenem Einlauf ≥ 2 cm (z. B. 15068)

bis Kat. 5

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4.6.3 Anwendungsbeispiele

  • Für den Wasserenthärter wird eine Anschlussgarnitur mit einem Rückflussverhinderer EA verwendet.

  • Für die direkte Heizungsnachspeisung wird ein Systemtrenner CA verwendet.

  • Feuerlöschleitungen werden separat mit einem Systemtrenner BA geführt.

  • Für die Schwimmbadnachfüllung wird eine Sicherheitstrennstation AB eingesetzt.

4.7 Fokus 7: Spezialobjekte

Bei Spezialobjekten wie öffentlichen Gebäuden, Pflegeheimen oder Spitälern etc. kann auf dem Nussbaum Stufenmodell aufgebaut werden. Jedoch sind häufig Sonderlösungen notwendig, um den besonderen Anforderungen gerecht zu werden.

Wir unterstützen Sie gerne bei Ihrem spezifischen Anliegen. Für nähere Auskünfte senden Sie uns einfach eine E‑Mail an info@nussbaum.ch.

Hier einige Beispiele für Sonderlösungen im Bereich Spezialobjekte:

  • Bei besonders grossen Leitungen oder saisonalem Betrieb:

    • Easy-Matic für automatisierte Spülungen

  • Bei dezentral gelegenen Armaturen in Nichtwohnbauten wie Schulhäusern, Bürogebäuden etc.:

    • Nur KW und kleiner Waschtisch-Durchlauferhitzer (67200, 67201) für die direkte Erwärmung bei der Auslaufarmatur.

  • Bei speziellen Objekten mit besonderen hygienischen Anforderungen:

    • Installation komplett aus Edelstahl (inklusive Ausstossleitungen)

    • Entwicklung eines Spülkonzepts für das Betriebs- und Wartungspersonal

    • Zertifizierte Schläuche und Brausen mit periodischer Ersetzung oder Verzicht auf Schläuche und Brausen

    • KW der Dusche mit einer Toilette schlaufen

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