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Anwendungen und Lösungen - Trinkwasserhygiene – Die Anlage ist die Lösung

4 Allgemeine Montage- und Planungsrichtlinien

Bei der Installation und der späteren Überwachung und Wartung der Anlage sind bestimmte Prinzipien und genau definierte Arbeitsabläufe zu beachten, um die einwandfreie Trinkwasserqualität sicherzustellen.

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4.1 Richtlinie Material

Erster und grundlegender Einflussfaktor der Trinkwasserhygiene ist das verwendete Material. Hierbei sind zwei Aspekte zu beachten.

Materialien klug auswählen:

  • In der Hauswasserzentrale und in der Steigzone metallische Werkstoffe einsetzen (Optiarmatur, Optipress-Aquaplus); auf der Etage Kunststoffrohre (Optiflex) im Einzelzapfstellen-System verwenden. Die Dimensionierung muss durchflussoptimiert erfolgen.

  • Nur hygienisch geprüfte Armaturen und Rohrleitungssysteme mit SVGW-Zertifizierung verwenden. Alle Armaturen und Rohrleitungssysteme von Nussbaum erfüllen diese Anforderung.

  • Zusätzlich sicherstellen, dass auch alle anderen Trinkwasserkontaktmaterialien (z. B. Brauseschläuche) geeignet sind.

    Anmerkung: Nicht nur die Materialzusammensetzung, sondern auch die Oberflächenstruktur spielt eine Rolle für die Trinkwasserhygiene: Je rauer die Rohroberflächen, desto besser können sich Mikroorganismen vermehren.

  • Bleifreie Komponenten für die Installation verwenden, um die Anforderungen der TBDV:2018 (TBDV-Grenzwerte) und Minergie-ECO zu erfüllen.

Materialien richtig lagern und verarbeiten:

  • Bei Transport und Lagerung die Materialien vor Umwelteinflüssen (Schmutz, Nässe, Hitze, Frost, UV-Strahlung, Chemikalien) schützen. Verschiedene Materialien getrennt lagern (W3/E3:2020, 7.4).

  • Auf hygienische Verarbeitung der Rohre, Formstücke und Armaturen gemäss suissetec Merkblatt achten.

  • Die Herstellervorgaben und Montagerichtlinien beachten.

  • Verpackungen und Schutzkappen erst unmittelbar vor der Verarbeitung entfernen (Verpackung).

  • Nicht fertiggestellte Anlageteile gegen das Eindringen von Schmutz mit Kappen und Zapfen verschliessen. Rohre, Formstücke und Armaturen durch das Anbringen von Stopfen oder ähnliche Massnahmen vor dem Eindringen von Verunreinigungen schützen.

  • Arbeitsschritte wie Druckprüfung und Erstbefüllung so durchführen, dass die Materialien hygienisch einwandfrei bleiben (Richtlinie Arbeitsabläufe).

Weitere Details zum Einsatz von Materialien finden Sie hier:

4.2 Richtlinie Temperatur

Wassertemperaturen im für die Verkeimung kritischen Bereich müssen vermieden werden. Beim Kaltwasser ist die Hygienethematik besonders hoch zu werten, da sich Massnahmen zur Desinfektion schwieriger umzusetzen lassen als beim Warmwasser, wo eine thermische Desinfektion durchführbar ist.

Für die Temperaturhaltung gelten folgende Anforderungen:

  • Eine Kaltwassertemperatur von maximal 25 °C einhalten (W3/E3:2020, 6.1). Bei der Übergabe muss sichergestellt werden, dass diese Maximaltemperatur an allen Entnahmestellen nach 30 s Vorlaufzeit eingehalten wird (W3/E3:2020, 10).

  • Die Warmwassertemperaturen nach SIA 385/1:2011, 3.2.4 und W3/E3:2020, 6.1 einhalten.

    • 60 °C am Ausgang des Wassererwärmers

    • 55 °C in den warmgehaltenen Leitungen (bis inklusive Verteiler)

    • 50 °C an der Entnahmestelle (nach 7-facher gemessener Ausstosszeit)

  • Die maximalen Ausstosszeiten für Warmwasser nach SIA 385/2:2015, 3.2 und 3.3 einhalten. Gemeint ist hiermit die Zeit, bis 40 °C an der Entnahmestelle erreicht sind (SIA 385/2:2015, Anhang G.2). Vorgeschrieben sind:

    • 10 Sekunden bei warmgehaltenen Leitungen

    • 15 Sekunden bei nicht warmgehaltenen Leitungen

Zur Umsetzung dieser Anforderungen tragen folgende Massnahmen bei:

  • Temperaturübergänge durch thermische Trennung in der Steigzone und auf der Etage vermeiden.

  • Die Ausstosszeit durch optimale Leitungsführung und -auslegung auf der Etage minimieren.

  • An Übergängen zwischen warmgehaltenen und nicht warmgehaltenen Leitungen Wärmesiphons in Form eines absteigenden Rohrs installieren. Die Höhe des Wärmesiphons muss mindestens 7 x den Innendurchmesser des Rohrs (ID) oder mindestens 15 cm betragen (SIA 385/1:2011, 5.5.4).

    Wärmesiphons verhindern eine Auskühlung durch rohrinterne Gegenstromzirkulation. Kaltes Wasser sammelt sich aufgrund seiner grösseren Dichte am tiefsten Punkt des Siphons und kann nicht in den Wassererwärmer bzw. die warmgehaltene Leitung zurückströmen. Gleichzeitig kann das warme Wasser aus dem Wassererwärmer bzw. aus der warmgehaltenen Leitung nicht in den kühleren Wärmsiphon sinken und sich nicht im Anschlussrohr ausbreiten und auskühlen.

    Anmerkung: Gedämmte Verbindungsleitungen mit einer Länge ≤ 1 m werden zur warmgehaltenen Leitung mitgezählt.

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Wärmesiphon am Übergang zwischen einer warmgehaltenen und einer nicht warmgehaltenen Leitung

Weitere Details zur Temperaturhaltung finden Sie hier:

4.3 Richtlinie Stagnation

Stagnationen können im Trinkwasser-Verteilsystem nicht komplett vermieden werden. Mit folgenden Massnahmen lässt sich das Stagnationsrisiko jedoch deutlich reduzieren.

  • Das Trinkwasservolumen in der Anlage so gering wie möglich halten. Ziel ist es, dass das Volumen innerhalb von max. 72 Stunden komplett ausgetauscht wird (W3/E3:2020, 6.1.2, 72-Stunden-Regel).

  • Nussbaum empfiehlt hierzu: Optimal dimensionierte Verteilleitungen und kurze Ausstossleitungen mit kleiner Rohrweite im Einzelzapfstellen-System planen (Einzelzapfstellen-System).

    Tipp: Die verschiedenen Hilfsmittel zur Dimensionierung auf der Nussbaum Homepage verwenden:
    www.nussbaum.ch/rohrweitenbestimmung.

    Anmerkung: Automatische Spülsysteme können eingesetzt werden (Spülsysteme), sind jedoch mit der Nussbaum Lösung in der Regel nicht notwendig. Zudem entfalten sie an neuralgischen Stellen wie Duschschläuchen oder Brausen ohnehin keine Wirkung (kritischer letzter Meter).

  • Den Durchfluss optimieren. Die Installation so planen, dass ⅔ des Druckverlusts in der Anschlussleitung stattfindet und nur ⅓ in den Verteilleitungen. Hierzu Installationskomponenten mit einem möglichst kleinen Druckverlustbeiwert (ζ-Wert) und Formstücke Typ A verwenden.

  • Auch Anlagen zur Trinkwassernachbehandlung und Wassererwärmer für geringe Stagnationszeiten auslegen.

  • Nicht durchflossene Leitungsabschnitte vermeiden bzw. möglichst kurz halten (max. 4 x ID).

  • Im Betrieb bestimmte Verhaltensregeln einhalten, z. B. nach Abwesenheiten Wasser kurz aus der Zapfstelle ausfliessen lassen.

Weitere Details zur Stagnationsvermeidung finden Sie hier:

4.4 Richtlinie Arbeitsabläufe

4.4.1 Druckprüfung

Um die Dichtheit der Leitungen zu überprüfen, ist eine Druckprüfung erforderlich. Diese Drückprüfung muss bei grösseren Anlagen in geeigneten Teilabschnitten erfolgen. Sie sollte bereits Teil der Ausschreibung durch den Planer sein.

Aus hygienischen Gründen ist bei der Druckprüfung entscheidend, zu welchem Zeitpunkt die Installation mit Wasser befüllt wird, um eine Stagnation des Wassers in den Leitungen zu verhindern. Deshalb empfehlen wir eine Dichtheitsprüfung mit Luft (150 mbar bzw. für die Lecksuche bis max. 1 bar) und nach der Erstbefüllung/Inbetriebnahme eine Endprüfung mit Wasser mit dem Betriebsdruck (Prüfmethode A). Dies sollte in den letzten 72 Stunden vor dem bestimmungsgemässen Betrieb stattfinden.

Praxistipps:

  • Während der Bauzeit kann ein Manometer montiert und bis zu 1 bar Druck auf den Leitungen belassen werden. So ist jederzeit ersichtlich, ob nach der ersten Dichtheitsprüfung Lecks entstanden sind.

  • Anderenfalls ist es empfehlenswert, vor der Erstbefüllung und Endprüfung nochmals eine kurze Prüfung mit Luft durchzuführen, um auszuschliessen, dass in der Zwischenzeit neue Lecks entstanden sind.

Weitere Informationen und Prüfprotokolle zum Thema Druckprüfung finden Sie auf der Nussbaum Homepage:
www.nussbaum.ch/druckpruefung

4.4.2 Erstbefüllung und Spülung

Bei der Erstbefüllung liegt das Hauptaugenmerk darauf, von Beginn an sauberes, hygienisch einwandfreies Trinkwasser in die Installation zu speisen.

Die Richtlinie SVGW W3/E3:2020 enthält in Kapitel 9 detaillierte Vorgaben zu Erstbefüllung und Spülung.

Für den Zeitpunkt der Durchführung gilt: Alle Trinkwasserleitungen sollten frühestens 72 Stunden vor dem bestimmungsgemässen Betrieb befüllt werden. Wenn zwischen Erstbefüllung/Spülung und Betrieb mehr als 72 Stunden vergehen, sind Massnahmen zu ergreifen, damit der betroffene Leitungsinhalt alle 72 Stunden erneuert wird.

Die nachfolgende Tabelle zeigt einen exemplarischen Ablauf für die Erstbefüllung und Spülung. Die Schritte sind für die Kaltwasserleitungen dargestellt, erfolgen aber für die Warmwasserleitungen nach demselben Prinzip.

Schritt 1:
Spülung der Hausanschlussleitung

  • Vor Montage des Hauptwasserzählers und des Feinfilters die Hausanschlussleitung spülen.

    Tipp: Nussbaum empfiehlt hierfür den Anschlussflansch (12085) mit der Flanschabdeckung (12091). Die Hausanschlussleitung kann so bereits in der Bauphase ganz einfach durch Entnahme von Bauwasser gespült werden. Und die finale Spülung vor der Erstbefüllung ist ebenso problemlos möglich.

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Schritt 2:
Erstbefüllung

  • Am nächstgelegenen Leitungsstrang beginnen.

  • Alle Entnahmestellen schliessen.

  • Alle Absperrarmaturen im jeweiligen Leitungsstrang vollständig öffnen.

  • Die Installation langsam von unten nach oben füllen.

  • Jede Entnahmestelle zur Entlüftung öffnen.

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Schritt 3:
Spülung der Verteilleitung

  • Je nach Grösse der Verteilleitung die vorgegebene Mindestanzahl an Entnahmearmaturen gleichzeitig vollständig öffnen (siehe W3/E3:20202, 9, Tabelle 1).

    Beispiel: Wenn die grösste Nennweite der Verteilleitung DN 25 ist, werden 5 Entnahmearmaturen geöffnet.

  • Die Verteilleitung mit dem nötigen Durchfluss so lange spülen, bis Trinkwasserqualität sichergestellt ist (Geruch, Aussehen, Geschmack).

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Schritt 4:
Spülung der Etage

  • Bei den Stockwerk- oder Apparategruppenverteilungen alle Entnahmearmaturen gleichzeitig vollständig öffnen.

  • Für jede einzelne Entnahmestelle folgende Schritte durchführen, mit der am nächsten an der Verteilung gelegenen Entnahmestelle beginnen:

    • Die Entnahmestelle schliessen.

    • Den Strahlregler entfernen.

    • Den Spritzschutz anbringen.

    • Die Entnahmestelle 60 s öffnen.

    • Den Strahlregler reinigen.

    • Den Strahlregler wieder montieren.

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Exemplarischer Ablauf für die Erstbefüllung und Spülung (Bilder in Anlehnung an Cosimo Sandre: «SVGW­NEWS», Vortrag, suissetec Infoveranstaltung, Lostorf, 18.10.2018)

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4.4.3 Inbetriebnahme und Übergabe

Bei der Inbetriebnahme der gesamten Anlage oder der einzelnen Abschnitte müssen folgende Punkte überprüft und dokumentiert werden:

  • Warmwassertemperatur im Speicher: 60 °C

  • Einregulieren des gesamten Warmwasserverteilsystems auf mind. 55 °C in allen warmgehaltenen Leitungen

  • Warmwassertemperatur nach 7-facher Ausstosszeit: mind. 50 °C

  • Kaltwassertemperatur nach 30 Sekunden: max. 25 °C

  • Nach dem Abschluss der Erstbefüllung und Spülung: Geruch, Geschmack und Aussehen des Trinkwassers an den Entnahmestellen prüfen.

Anschliessend kann die Anlage an den Eigentümer/Betreiber übergeben werden. Dies muss protokolliert werden.

Ab diesem Datum ist der Eigentümer/Betreiber dafür verantwortlich, dass die Trinkwasserqualität ab dem Wasserzähler einwandfrei bleibt:

  • Der Eigentümer/Betreiber muss für den bestimmungsgemässen Betrieb sorgen. Falls der bestimmungsgemässe Betrieb noch nicht möglich ist, müssen mit dem Eigentümer/Betreiber geeignete Massnahmen vereinbart und durchgeführt werden.

  • Der Eigentümer/Betreiber hat eine Instandhaltungspflicht, auf die bei der Übergabe hingewiesen werden muss (Wartung).

4.4.4 Wartung

Nach der Inbetriebnahme ist der Eigentümer/Betreiber, dafür verantwortlich, dass die Trinkwasserqualität ab dem Wasserzähler einwandfrei bleibt. Hierzu gehört auch, dass Wartungsmassnahmen nach einem systematischen Zeitplan durchgeführt werden. Planer und Installateure müssen den Eigentümer/Betreiber auf diese Instandhaltungspflicht hinweisen. Idealerweise werden die Wartungsarbeiten vom Planer bereits bei der Ausschreibung berücksichtigt.

Die empfohlene Häufigkeit für Inspektions- und routinemässige Unterhaltsmassnahmen kann in Abhängigkeit von den folgenden Faktoren angepasst werden:

  • Grösse und Komplexität der Sanitäranlage

  • Art der Wasserverwendung (Trinken, Kochen, Duschen, medizinische Zwecke usw.)

  • Verbraucher (Empfindlichkeit)

  • Betriebsweise der Sanitäranlage (ständig, intermittierend, saisonal usw.)

Die Richtlinie SVGW W3/E2:2013 sieht u. a. folgende Wartungsintervalle vor:

Anlagebauteil und Einheit

Inspektion

Routinemässiger Unterhalt

Filter rückspülbar
Filtrationsfeinheit 80 µm bis 150 µm

Alle 2 Monate

Filter nicht rückspülbar
Filtrationsfeinheit 80 µm bis 150 µm

Mindestens halbjährlich

Filter
Filtrationsfeinheit < 80 µm

Alle 2 Monate

Rohrbelüfter HB
für Schlauchanschlüsse

Jährlich

Jährlich

Automatischer Umsteller HC

Jährlich

Rückflussverhinderer EA
kontrollierbar

Jährlich

Jährlich

Rückflussverhinderer EB
nicht kontrollierbar

Jährlich

Austausch alle 10 Jahre

Systemtrenner CA
mit unterschiedlichen nicht kontrollierbaren Druckzonen

Jährlich

Systemtrenner BA
mit kontrollierbarer Mitteldruckzone

Jährlich, gemäss Wartungsvertrag

Druckminderer

Jährlich

Jährlich

Enthärter

Alle 2 Monate

Jährlich

Sicherheitsgruppe
für Expansionswasser

Halbjährlich

Jährlich

Sicherheitsventil
für Expansionswasser

Halbjährlich

Jährlich

Wassererwärmer

Halbjährlich

Jährlich

Rohrleitungen

Jährlich

Auszug aus SVGW W3/E2:2013, 11, Tabelle 1

Um die Wartung zu ermöglichen, muss sichergestellt sein, dass alle Armaturen (Absperrventile, Regelventile, Probenahmeventile etc.) immer zugänglich bleiben.

Die Wartung von Anlagen zur Trinkwassernachbehandlung umfasst alle sichtbaren Leitungsabschnitte, Armaturen und Geräte (z. B. Wasserenthärter).

Für Wasserenthärter und Systemtrenner BA bietet Nussbaum einen Wartungsservice an.

4.4.5 Probenahmen

Die Entnahme von Wasserproben dient zur Überprüfung der mikrobiologischen Belastung. Hierbei zeigt sich, ob das Konzept der Selbstkontrolle und die angewendeten Massnahmen wirksam sind und ob eine einwandfreie Trinkwasserqualität gewährleistet ist.

Um die Entnahme von Wasserproben optimal durchführen zu können, empfiehlt es sich, Probenahmeventile einzubauen. Die Anordnung der Probenahmeventile ist vom individuellen Leitungsnetz abhängig. An folgenden Orten ist ein Probenahmeventil in jedem Fall erforderlich:

  • Beim Wassereintritt ins Gebäude (nach dem Wasserzähler)

  • Beim Austritt aus dem Wassererwärmer

  • In der Warmwasserzirkulation, vor dem Eintritt zurück in den Speicher

Die Probenahmeventile müssen immer zugänglich bleiben.

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Probenahmeventile

Eine Probenahme muss von einer Fachperson durchgeführt werden. Es ist von Vorteil, die Warmwasserinstallation und die Kaltwasserinstallation getrennt voneinander zu beproben. Die Beprobung von Mischwasser sollte vermieden werden, da sie die Interpretation der Befunde erschwert. Bei Einhebel-Mischbatterien ist dies allerdings nicht immer einzuhalten. Es ist in diesem Fall aber zumindest darauf zu achten, dass der Hebel zur Warmwasserbeprobung ganz in die Heisswasserposition gebracht wird, bei Kaltwasser entsprechend ganz in die Kaltwasserposition.

Für die Probenahme von Wasser ab Bezugsarmaturen werden folgende Schritte ausgeführt (gilt für Warm- und Kaltwasserproben):

1. Vorbereitung der Entnahmestelle:

  • Strahlregler oder sonstige Armaturenaufsätze entfernen.

  • Die Auslaufstelle der Entnahmearmatur mittels Abflammen (bevorzugt), Aufsprühen von Alkohol (Ethanol 70 %) oder Alkoholtupfer desinfizieren.

2. Vorlauf an der Entnahmearmatur:

  • Die Entnahmearmatur öffnen, einen ruhigen Wasserstrahl einstellen.

  • 1 bis 3 Liter Wasser in einen Messbecher ablaufen lassen und verwerfen.

3. Probenbehälter befüllen:

  • Direkt anschliessend (ohne Schliessen und Wiederöffnen der Entnahmearmatur) das Wasser in ein steriles Probenahmegefäss abfüllen. Das Probenvolumen sollte mind. 250 ml betragen. Für Stagnationsbeprobung wird ein maximales Volumen von einem Liter empfohlen.

  • Das Gefäss verschliessen.

4. Temperatur bei der Probenahme messen:

  • Direkt anschliessend weitere ca. 250 ml Wasser in einen Messbecher abfüllen.

  • Die Wassertemperatur unverzüglich messen und dokumentieren als «Probenahmetemperatur».

5. Wassertemperatur bei Temperaturkonstanz messen:

  • Wasser aus der Entnahmearmatur bis zur Temperaturkonstanz in einen Messbecher ablaufen lassen.

  • Die Wassertemperatur im Messbecher messen und als «Konstante Temperatur» dokumentieren, optimal zusammen mit der Angabe der Zeitdauer bis zum Erreichen der Temperaturkonstanz.

Schritte der Probenahme nach UBA-Empfehlung «Systemische Untersuchungen von Trinkwasser-Installationen auf Legionellen nach Trinkwasserverordnung – Probenahme, Untersuchungsgang und Angabe des Ergebnisses» und nach den «BAG-/BLV-Empfehlungen zu Legionellen und Legionellose»

Anmerkungen: Der Zyklus einer Probenahme richtet sich nach der Risikobeurteilung der Anlage. Im privaten Bereich gibt es keine mikrobiologischen Anforderungen an das Trinkwasser. Für öffentliche Anlagen legt die TBDV:2018 bestimmte Grundanforderungen fest (TBDV-Grenzwerte). Ab 2021 wird auch die neue Richtlinie W3/E4 Vorgaben für die mikrobiologischen Anforderungen sowie für die Probenahme und Kontrolle enthalten.

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4.4.5.1 TBDV-Grenzwerte

Die mikrobiologischen und chemischen Anforderungen an das Trinkwasser müssen eingehalten werden. Bei den TBDV-Grenzwerten ist hierbei zu beachten:

4.4.5.1.1 Mikrobiologische Anforderungen an Trinkwasser (TBDV:2018, Anhang 1)
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Auszug aus TBDV:2018, Anhang 1
4.4.5.1.2 Mikrobiologische Anforderungen an Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen (TBDV:2018, Anhang 5)
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Auszug aus TBDV:2018, Anhang 5
4.4.5.1.3 Chemische Anforderungen an Trinkwasser (TBDV:2018, Anhang 2)
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Auszug aus TBDV:2018, Anhang 2

4.5 Schutz von Trinkwasser

In oder ausserhalb von Gebäuden gibt es immer wieder Schnittstellen, wo Trinkwasser mit Flüssigkeiten anderer Kategorien (Wasserkategorien) in Berührung kommen kann. Damit das Trinkwasser auch Trinkwasser bleibt, werden Sicherheitsarmaturen für die verlässliche Trennung von anderen Wasserkategorien benötigt.

4.5.1 Wasserkategorien

Gemäss SVGW W3/E1:2013 werden die verschiedenen Flüssigkeiten je nach Art ihrer Belastung in 5 Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1:

Wasser für den menschlichen Gebrauch, das direkt einer Trinkwasserinstallation entnommen wird und den Bestimmungen der Lebensmittelgesetzgebung entspricht.

Kategorie 2:

Flüssigkeit, die keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellt. Flüssigkeiten, die für den menschlichen Gebrauch geeignet sind, einschliesslich Wasser aus einer Trinkwasserinstallation, das eine Veränderung in Geschmack, Geruch, Farbe oder Temperatur (Erwärmung oder Abkühlung) aufweisen kann.

Beispiele: Trinkwasser warm, gekühlt oder mit Fruchtsäften, Suppen, Kaffee, Wasser von gekochten Lebensmitteln usw.

Kategorie 3:

Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch die Anwesenheit eines oder mehrerer weniger giftiger Stoffe darstellt.

Beispiele: Heizungswasser ohne Additive, Wasser mit Frostschutzmittel, Spülwasser für Geschirr- und Küchengeräte, Spülkastenwasser, zahnärztliche Arbeitsplätze usw.

Die Abgrenzung zwischen Kategorie 3 und Kategorie 4 ist LD 50 = 200 mg/kg Körpergewicht gemäss EU-Dokument 93/21 EEC vom 27. April 1993.

Kategorie 4:

Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch die Anwesenheit eines oder mehrerer giftiger oder besonders giftiger Stoffe oder einer oder mehrerer radioaktiver, mutagener oder kanzerogener (krebserregender) Substanzen darstellt.

Beispiele: Wasser mit oberflächenaktiven Stoffen, Wasser mit Desinfektionsmittel, Wasser mit Algeciden, Heizungswasser mit Additiven usw.

Kategorie 5:

Flüssigkeit, die eine Gesundheitsgefährdung für Menschen durch die Anwesenheit von mikrobiellen oder viralen Erregern übertragbarer Krankheiten darstellt.

Beispiele: Regenwasser, Schwimmbeckenwasser, Waschmaschinenwasser, WC-Wasser, Wasser aus Tiertränken usw.

4.5.2 Sicherungseinrichtungen

Je nach Einsatzfall können verschiedene Sicherungseinrichtungen verwendet werden, um das Nichttrinkwasser (Kategorien 2 bis 5) vom Trinkwasserversorgungsnetz zu trennen. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die häufigsten Arten von Sicherungseinrichtungen.

Eine Beschreibung aller Sicherungseinrichtungen sowie der jeweiligen Anforderungen sind in der Richtlinie W3/E1 enthalten. Inspektion und Unterhalten sind in den Kapiteln 11 und 12 der Richtlinie W3/E2 geregelt (Wartung). Einen Überblick finden Sie auch auf der Nussbaum Homepage unter www.nussbaum.ch/schutz-von-trinkwasser.

Sicherungseinrichtung

Absicherung

Beispielprodukt Nussbaum

Anwendungsbeispiel

Rückflussverhinderer EA, kontrollierbar

Bis Kat. 2

15101

Wassererwärmer, Wasserenthärter

Systemtrenner CA mit unterschiedlichen nicht kontrollierbaren Druckzonen

Bis Kat. 3

15090, 15092

Direkte Heizungsnachspeisung ohne Additive

Systemtrenner BA mit kontrollierbarer Mitteldruckzone

Bis Kat. 4

15073, 15087

Autowaschanlage

Sicherheitstrennstation AB mit offenem Einlauf ≥ 2 cm

Bis Kat. 5

15068

Schwimmbadnachfüllung

Beispiele für Sicherungseinrichtungen

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