Alles im Kreislauf, alles autark

Wasserverteilung in der Hörnlihütte unterhalb vom Matterhorn


Die Hörnlihütte ist renoviert. Noch ruht sie im Winterschlaf. In gut drei Monaten werden die Bergsteiger von hier wieder aufs Matterhorn steigen. Die Wasserversorgung für den Bau im Hochgebirge ist eine Gesamtlösung der R. Nussbaum AG – Elite Partner des Projekts Hörnlihütte 2015.
Text: Köbi Gantenbein / Fotos: Michel Bonvin & Roland Spring


Die R. Nussbaum AG hat für einmal ihren Leitspruch «gut installiert» unter Bedingungen von Eis und Schnee im Hochgebirge zu leben. Denn die Planer und Installateure haben als Teil eines umfassenden Umbauvorhabens die Hörnlihütte am Fuss des Matterhorns mit Armaturen und Installationssystemen von Nussbaum für die Versorgung mit Frischwasser ausgerüstet. Für Kurt Lauber, den Hüttenwart, beginnt im Sommer eine neue Ära mit frischem, kaltem und warmem Wasser.

Was, Kurt Lauber, ist anders in der Wasserversorgung der Hörnlihütte verglichen mit andern Hütten?
Für alle Berghütten, die oberhalb 3000 Meter liegen, ist sicher der permanente Wassermangel die Hauptschwierigkeit. Die Hörnlihütte liegt zudem auf einem Grat und so fliesst das Wasser durch die Täler an uns vorbei. Dank der ausgeklügelten Konzeption der Sanitär-Ingenieure werden wir dennoch über genügend Wasser verfügen.

Welche Tätigkeiten im Hüttenleben und -alltag brauchen besonders viel Wasser?
Am meisten Wasser verbrauchen wir bei Hochbetrieb eindeutig für die Toilettenspülungen. 

Welches Malheur sollte auf keinen Fall passieren? 
Da wir auf der Hörnlihütte isoliert leben, ist für uns die einwandfreie Funktion der eigenen Wasser- und Energieversorgung die Nabelschnur und daher sehr wichtig.

Für die Planung dieser «Nabelschnur» war das Ingenieurbüro Lauber IWISA aus Brig zuständig. Projektleiter war Pascal Zenhäusern. Wie haben Sie die Versorgung der Hütte mit Frischwasser konzipiert?
Das Frischwasser erhält das Berghaus aus natürlichem Schmelzwasser, das sich auf 3030 m.ü.M. in einem See sammelt. Es wird in einem in die Erde eingegrabenen Wassertank von 180m3 gelagert. Eine Hauswasserleitung (25 bar) führt freihängend und selbstleerend zu den Wochentanks von 40m3 Fassungsvermögen, die bei der Hütte auf 3260 m.ü.M. eingerichtet worden sind.

Was waren die besonderen Anforderungen an die Planer dieser Anlage?
Es war von allem Anfang an klar: Hier entsteht keine Probeanlage, sondern eine Anlage mit Qualitätsprodukten, u.a. Optiarmatur, Optipress-Aquaplus und Optiflex-Profix von Nussbaum, die dauerhaft und unter harten klimatischen Bedingungen einwandfrei funktionieren muss. In die Hauswasserinstallation war auch ein Abwasserkonzept zu integrieren. Das Abwasser aus Duschen und Waschtischen wird gereinigt und als Grauwasser für die Toilettenspülung benutzt.

Was waren die besonderen Anforderungen an die Installateure für den Bau dieses Systems?
Wer auf 3260 m.ü.M. zu arbeiten hat, dessen Arbeitstempo ist eingeschränkt. Die Luft ist ja merklich dünner als im Tal. Die Monteure wohnten in der Hörnlihütte und arbeiteten bis zu 12 Stunden am Tag.

Wie funktioniert die Selbstentleerung?
Sobald die Pumpe ausschaltet, öffnet sich ein Magnetventil oberhalb der Pumpe und das gesamte Wasser, das sich in den Leitungen befindet, fliesst zurück in den Wassertank. In den Wochentank fliesst zum Wasser aus dem Schmelzwassersee auch das vom Hüttendach.

Welche Folgen hat diese Zusammenführung für die Planung der Hauswasserinstallation?
Überläufe bei den Wassertanks sind vorhanden. Wenn einmal die Pumpe nicht ausschaltet, stellt das keine grossen Probleme dar. Eine UV-Filteranlage ist auch montiert worden. Nach der Druckerhöhung wird das Schmelzwasser gefiltert und entkeimt. Danach muss es zum Kochen und Trinken abgekocht werden. Solarkollektoren-Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk unterstützt die Wärmeproduktion, so dass der Gasbedarf für das Abkochen reduziert werden kann.

Weshalb ist eine Druckerhöhung erforderlich?
Das Wasser lagert drucklos in Tanks in der Hütte. Also haben wir einen Druckwasserautomaten montiert, damit es aus den Zapfstellen fliessen kann.

Wie wird die Versorgung von Hauswasser sichergestellt, falls die Pumpen ausfallen?
Dafür haben wir einen Notwassertank (Fassung ca. 2‘500 l) unterhalb des Dachs eingebaut. Er wird über die Druckerhöhungsanlage der Hausinstallation gespiesen. Ein Schwimmerventil steuert die Befüllung. Bei Stromausfall kann der Tank mit einer Handpumpe gefüllt werden. Somit kann auch garantiert werden, dass die WC-Anlagen im Erdgeschoss sowie die Küche sicher mit Kaltwasser versorgt werden können. Für den Notbetrieb müssen von Hand zwei Ventile bedient werden.

Arbeitsprinzip: Die Pumpe wird manuell von der Hütte aus eingeschaltet. Über den Schwimmerschalter – in den Wochentanks – wird die Pumpe nach Befüllung der Tanks ausgeschaltet. Zugleich öffnet das Entleerungsventil und die Leitung wird zurück in den Schmelzwasser-Tank entleert. Druckschläge, die beim Ein- und Ausschalten der Pumpe entstehen können, werden durch einen Membrandruckbehälter kompensiert